Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2421005-2421008--2120-2423457- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
178 II. Wissenschaftliche Miscellen. Gemäßigten austrat, die Anklage ihnen entgegenschleudernd, daß sie in ihrer Lauheit das ganze Band mit Israel und seiner Glaubensreinheit zerrissen haben. So erhalten wir gelegentlich eine trefflliche Bestätigung einer Nachricht aus jenem wirren Parteikampfe, in welchem die leidenschaftliche Gluth der ״Kannaim" den Glaubenseifer zur wilden Raserei steigerte, die der Thalmud auch sonst gleich den alten gemäßigten Pharisäern mit Mißbilligung beurtheilt. 30. Nov. 8. Sara Copia Sullam. Auf die durch leibliche wie geistige Anmuth strahlende jüdische Schrifstellerin Sara Copia Sullam in Venedig am Anfänge des siebzehnten Jahrhunderts wurde erst in neuerer Zeit nachdrücklicher hingewiesen, so daß sie nun in den Kreis der jüdischen Geschichte eingetreten. Dem welcher dies zuerst veranlaßte, sollte sie freilich blos als Hintergrund zur Verherrlichung eines damaligen gealterten und geistig matten christlichen Geistlichen und Dichters dienen, des Ansaldo Ceba, allein schon in seiner Darstellung, noch mehr in der der auf ihn folgenden jüdischen Bearbeiter, erblich bte Gestalt des Ceba vor der unserer Sara. F. A. Rio hatte nämlich W (Paris 1856) ein seltsames Buch: 168 quatre Martyrs erscheinen lassen, das kurz darauf in Ingolstadt auch in's Deutsche übersetzt wurde. Dort wird nun Ceba als ״Märtyrer der christlichen Liebe" geschildert, indem er, bereits alt und kränklich, durch die Herausgabe seines Gedichtes: Esther (1615) die fast leidenschaftliche, jedoch rein geistige Verehrung der schönen jugendlichen Sara gewonnen hatte; als auch Sara brieflich ihrem Gefühle Ausdruck gab und sich so ein höchst inniger, Jahre lang fortdauernder Briefwechsel entspann, glaubte Ceba seinen auf Sara erlangten Einfluß, aber vergeblich, zu ihrer Bekehrung benützen zu können. Der Mann, der von Rio mit der Krone des Märtyrerthums geschmückt wird, erscheint in dessen gl eigner Darstellung eigentlich als ein unbedeutender Mensch, dessen . B schwachköpfige Eitelkeit eine sehr unverdiente reiche Nahrung er- W hielt. Hingegen tritt seine Verehrerin Sara in vollem Liebreize m eines edlen Weibes hervor, mit zarter Empfindung, feiner Bildung m nnd dabei starkem reichem Geiste. Man könnte die Huldigung, W welche sie dem tief unter ihr stehenden fremden Manne darbringt, D nicht recht begreifen, wenn wir nicht bedächten, daß gerade der D