Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 177

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 177 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2420973-2421005-2421008--2119-2423456
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

II. Wissenschaftliche Miscellen. 177 Antlitz ausgegangen, er und achtzig Paare der Weisenschüler (Pharisäer), bekleidet mit goldenen Panzern (ß'UQa^-Qcixiov), ihr Antlitz ward schwarz wie der (auf dem Feuer geschwärzte) Boden des Topfes, indem sie zu ihnen sprachen: schreibet auf das Horn des Ochsen, daß euch kein Antheil ist an dem Gotte Israels." Diese sehr dunkeln Worte können der ersten Deutung nach wohl bedeuten, Menachem sei Essäer geworden, er ging von Maß zu Maß, von einer Lebensrichtung (der pharisäischen) zu einer andern, der essäischen, über. Allein die andere Angabe spricht offenbar von einer aufrührerischen Stellung, in welche Menachem mit einem Anhänge sich begeben habe, was mit dem stillen Effäer und mit allem von ihm Bekannten nicht in Einklang gebracht werden kann. Die babylonische Gemara (16 d) schreibt, wie oft in historischen Berichten, der jerusalemischen nach, aber sie mißverstehend oder mildernd. Dort heißt es nämlich als Erwiderung auf dieselbe Frage: אביי אמר יצא לתרבות רעה ,רבא אמר יצא כעבודת המלך ,תניא נמי ד!כי יצא מנחם לעבודת הנזלך ויצאו עמו שמונים זוגות תלמידים לבושין ״ .סיריקון, [של זהב]Abaje sagt: er ging zur schlechten Zucht über, Raba: er ging zum Königsdienste über. So wird auch in einer Baraitha berichtet: Menachem ging zum Königsdienste über, mit ihm zogen achtzig Paare von Schülern, gekleidet in Seide." Schon die erste Deutung des Jerusch., welcher Abaje folgt, wird verkannt, indem der Eintritt in den Effäerbund als der zu ״einer schlechten Zucht" bezeichnet wird, eine Benennung, welche sich Abaje nicht erlaubt haben würde, wenn er gewußt hätte, daß es sich um das Essäerthum handelt, das im Thalmud ignorirt, aber nicht geschmäht wird. Noch unverständlicher war dem Raba die zweite Deutung, welche er aufnimmt; er kennt die alten Parteikämpfe nicht mehr, weiß einen Austritt blos auf den Uebertritt zum heidnischen Könige zu beziehen, von dem er und seine Anhänger Würden angenommen haben, von äußerem Glanze geblendet, weßhalb er auch die ״goldnen Panzer" in seidene Gewänder verwandelt. Offenbar liegt hier jedoch eine Verwechslung zu Grunde, indem die geschichtlichen Erinnerungen an zwei verschiedene, aber gleichnamige Personen sich verwirrt haben, indem man auf den friedlichen Essäer Menachem, welchen die Mischnah kennt, das bezog, was von einem andern Menachem, dem Eiferer, in der Ueberlieferung lebte, daß er nämlich keck auszog, sich einen stolzen kriegenschen Anhang warb, mit finster grollenden Vorwürfen gegen die Vierteljahresschrift VIl. 3. 12

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.