Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2421005-2421008--2110-2423447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
168 II. Wissenschaftliche Miseellen. an dem Verbot dagegen Anstoß nahm, weil darin die Möglichkeit ausgesprochen war, daß man wirklich in Israel auf den Gedanken fallen könne, einen solchen Greuel zu verüben. Ich habe begründet, daß man überall — mit Ausnahme einer Stelle in der Chronik, wo die alte Lesart geblieben, — den ursprünglichen stehenden Ausdruck für diese Unthat: הבעיר, durch Feuer verbrennen, in העביר, durchführen, geändert hat, eine Aenderung, die durchgedrungen ist und das alte Wort verdrängt hat, daß ferner in alter Zeit noch andere Aenderungen versucht worden, die man dann jedoch wieder beseitigte. Von einem solchen Vorgänge berichtet die Mischnah Megillah 4 (3), 9 mit den Worten: האונלר כלזרעך לא דתן להעביר לנלולך ובלזרעך לא תתן לאעברא בארבלייתא(* נלעותק־ין ״ .אותו בנזיפהMan heißt den mit Anschrei schweigen, wer da liest (folgt die Bibelstelle wörtlich wie bei uns, dann aber ein Thargum): und von deinem Samen sollst du nicht geben überzuführen (schwanger zu machen) in eine Aramäerin (Nichtjüdin)." Diesen Sinn legt der Stelle wirklich der Syrer, ähnlich das jerusalemische Thargum (Pseudo-Jonathan) bei, und beide Gemaren führen zu unsrer Mischnahstelle eine Baraitha an, welche im Namen Jsmaels diese Erklärung giebt. Wenn nun die Mischnah wirklich dies aussagen, blos die Umdeutung in der Uebersetzung und nicht eine Aenderung im Texte tadeln wollte, so ist der Ausdruck האונלר auffallend, da man המתרגם erwarten sollte. Nun aber wird es wahrscheinlich, daß ursprünglich in der Mischnah das Thargum gar nicht gestanden, sondern erst aus der jerusalemischen Gemara in dieselbe hineingekommen ist. Dies ergiebt sich daraus, daß eben diese Gemara zur Mischnahstelle erst dies Thargum anführt, als sage sie etwas Neues, zur Erklärung der Mischnah, aus deren Worten man nicht erkannte, worin eigentlich die verpönte Aenderung bestanden. Ja so, ohne das Thargum, lag die Mischnah offenbar noch den französischen Gelehrten des 11. Jahrhunderts vor, wie aus Raschi hervorgeht, der in seinem Comm. das Thargum ganz ignorirt und sich nur an Jsmael in der Baraitha hält, während der Zusatz in die afrikanisch-spanischen und italienischen Exemplare bei Alfasi, Nathan *) So, mit zwei Jod, ist zu lesen, wie es auch in meinem Hdschr.-Aruch geschrieben ist; falsch ist בארבליוחא in den Ausgaben, was Aramäerthum bedeutet.