Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 153)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiesner: jerus. Thalmud. 233 Ansichten aber unter dem Namen Anderer in Umlauf gesetzt hat." Das ist fein diplomatisch anerkannt und gleichzeitig abgewiesen! Es liegt in der Natur der Verhältnisse und ist auch bereits genügend erkannt, daß Palästina über den kümmerlichen Rest, der ihm von bevorzugter religiöser Stellung noch später geblieben, mit Aengstlichkeit wachte; eine Zeit lang, bis feste Regeln über Kalenderberechnung und -Feststellung eingeführt waren, galt Dies Vorzugsweise von der Verkündung der Neumonde und der Einsetzung der Schaltjahre. Daher wird uns das strenge Halten auf diese größere Berechtigung im jerus. Thalm., wie etwa Nedarim 6, 13 (8) umsoweniger auffallend sein, als das Wesentliche davon sich auch in b. Berachoth 63 b findet. Hingegen ist die schwierige Frage, die sich der Auffassung W.'s entgegenstellt, von diesem sehr drüberhin abgefertigt, wenn er sagt: ״Dagegen ist es von geringer Bedeutung, wenn der Verfasser des jerus. Tal. an verschiedenen Stellen (Berachoth 1, 2. Peah 2, 6. Aboda sara 2. Synhedrin 11, 6 sman vgl. noch z. B. Moöd katon 3,1: חבלפקפק בדבל אפילו בלדברי חהבלים :צריך כידרי. ©.]) sich in einer Apologie der mündlichen Ueberlieferung (Thorah schebeal peh) ergeht, denn er durfte nicht offen Farbe bekennen, und es lag vielleicht in seiner Absicht, unter dem Scheine des rechtgläubigen Rabbinismus für den Karäismus zu wirken und für ihn Boden zu gewinnen." Das Verfahren seine karäischen Gesinnungen zu verbergen, ist dem Vfr. der jerus. Gemara wahrlich vortrefflich gelungen, besser als seine Propaganda für den Karäismus, und zwar so vortrefflich, daß wir ihn selbst heute, nachdem ihn Hr. Wiesner entlarvt, noch immer nicht zu erkennen vermögen. So kann ich nun zwar den Ansichten des Hrn. W. durchaus nicht beistimmen, sehe aber doch mit rechter Begierde dem größeren Werke entgegen, das derselbe über den j. Th. in Aussicht stellt. Hr. W. ist ein gründlicher Forscher mit vielseitigen Kenntnissen, der Jeruschalmi ist höchst eigenartig und noch bei Weitem nicht genügend gewürdigt, und so werden jedenfalls die Aufmerksamkeit und der geschärfte Blick, womit W. ihn betrachtet und seine Entdeckungen vorführt, zu einem genaueren Einblicke in seine Eigenthümlichkeit anleiten, zu einer richtigeren Würdigung desselben wie zur Feststellung des Verhältnisses zwischen ihm und der babylonischen Gemara hinführen. 25. August.