Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 151)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wiesner: jerus. Thalmud. 231 Wenn ferner j. Erubin 5, 1 die Erweiterung des Sabbath- Weges durch allerhand künstliche Vereinigungen sehr erleichtert, und zwar in größerem Maße als der babyl. Thalmud solcher gedenkt, so ist Dies nur eine scharfe Durchführung der Methode, welche Hillel darin eingeschlagen, und die von den Babyloniern dann ermäßigt wird, aber wahrlich keine Verspottung dieses ganzen, von den Karäern nicht gebilligten Verfahrens. — Gar sehr gewagt aber ist es, in einer etwas von der in b. Sanhedrin 99 a abweichenden Relation der jerus. Gemara das. 10, 1 ״in schönster Manier das mündliche Gesetz vollständig eliminirt" zu sehen. Hier?heißt es nämlich, auch der sei ein Verächter des Gotteswortes, der einer einzelnen ganz unwesentlich scheinenden Mittheilung, einem einzelnen Verse, ja einer Schlußfolgerung vom Geringeren zum Schwereren (Kol We-Chomer) den göttlichen Ursprung abspreche; in Babli heißt es noch: einer einzelnen Deutung (Dikduk), einer einzelnen Folgerung aus dem Gebrauche gleicher Ausdrücke (Geserah schawah). Auf diese Erweiterung in Babli, die, wie so oft, in dem knapperen Jeruschalmi fehlt, sollte man berechtigt sein, eine so folgenschwere Behauptung zu gründen ״ So ist es auch umgekehrt keine Verspottung — in die wieder Me'ir verflochten werden soll — wenn j. Sanh. 4, 1 zuerst ganz wie b. Erubin 13 b verlangt wird, ein rechter Lehrer müsse selbst für das unreine Kriechende (Scherez) 48 Gründe dasselbe für rein zu erklären aufzufinden wissen, und Dies auch an einem Schüler Me'irs gerühmt wird. Jeruschalmi spricht jedoch dann im Namen eines späteren Lehres einen Tadel aus über solch leicht irreführenden Scharfsinn; wenn Babli diesen Tadel zurückläßt, so bestätigt Dies blos die so häufig sich wiederholende Wahrnehmung, daß die Babylonier sich an der noch so weit getriebenen geistschärfenden Dialektik weit mehr erfreuten, als die Palästiner, — weiter Nichts. Hr. W. will, wie gesagt, obgleich gerade in unfern Ausgaben des jerus. Thalmud der Name Me'irs fehlt — doch will ich nicht bestreiten, daß derselbe durch einen Schreibfehler nur ausgefallen sein mag —hier wieder eine Verspottung Me'ir's entdecken, eine solche findet er auch in j. Bezah 5, 2 gegenüber b. Erubin 13 b, in den Worten, die er nach j. Khilajim 9, 4 bei seinem Tode im Auslande an die Bewohner Palästinas habe sagen lassen: an בלהויחכוך דידכון. Diese übersetzt Hr. W.: hier liegt euer Messias, und erkennt darin ״eine boshafte Ironie", allein sie bedeuten Wohl,