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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 228

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 228 (sequence 148)
Language
German
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228 Umschau. der er angiebt, er habe sie ״in einer demnächst zu veröffentlichenden Schrift dargethan", daß ״der jerusalemitische Talmud aller Wahrscheinlichkeit nach erst im achten oder neunten Jahrhundert entstanden." Wenn dieses Resultat ein richtiges ist, fährt Hr. W. fort, so müssen, ״da um diese Zeit der Karäismus in Palästina vorherrschend war, einige Spuren des karäischen Einflusses oder der Reaction gegen dieselben in diesem Buche nachzuweisen" sein. ״Diese Spuren", behauptet nun Hr. W. weiter, sind wirklich ״so bedeutend und in die Augen fallend, daß sie allein hinreichen würden, um auf die Abfassungszeit des jerusamlemitischen Talmud mit Sicherheit schließen zu lassen." Dieser Eingang ist so überraschend und die Behauptung mit solcher Sicherheit aufgestellt, daß ein jeder für den Gegenstand sich interessirende Leser die darauf folgende Ausführung und Begründüng mit aller Aufmerksamkeit begleiten muß. Folgen auch wir dem Hrn. Vfr. in seiner Auseinandersetzung! Zuvörderst wird auf die Stelle j. Schabbath 1, 4 hingewiesen, wonach die Schüler Schammai's gegen die des Hillel mit Schwertern und Spießen sich erhoben und sie niedergemetzelt hätten. Diesen Bericht über einen unter jüdischen Gelehrten unerhörten blutigen Kampf benütze auch der Karäer Salmon ben Jerucham in seiner literarischen Fehde gegen den Gaon Saadias (dessen Entgegnung wir nicht kennen); dasselbe enthalte aber ״offenbar eine plumpe Erdichtung", die den Karäern zuzuschreiben sei, welche damit die Absicht verbanden, ״sehr edelmüthig, die Vorfahren ihres nunmehrigen Gegners und vielleicht auch die eigenen Vorfahren im dreißigsten Geschlechte zu verlästern." — Und von dieser plumpen Erdichtung, fragen wir dagegen, die im 8. oder 9. Jahrhundert geschmiedet worden, wagte man, kaum ein Jahrhundert später, den Gegnern gegenüber Gebrauch zu machen? Hatten diese sich etwa so übertölpeln lassen, daß sie die in der Werkstatt schmähender Spötter fabricirten und untergeschobenen Werke in beschränkter Gedankenlosigkeit aufnahmen? Jedoch lassen wir diese Frage, die überhaupt das ganze Gebäude Hrn. W.'s umstürzt, denn Männer wie Acha aus Schabcha, Simon Kahirah, die Geonim, welche dem 9. Jahrh. so nahe gelebt, hätten" sich wahrlich nicht von der Arglist der Karäer täuschen lassen, den jerus. Thalmud, wenn sie ihn auch nicht zur Grundlage ihrer Studien nahmen, wie den babh- Ionischen, doch zuweilen zur Ergänzung zu benützen und mit aller

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