Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 143)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jair Chajim Bacharach. 223 nicht begreifen können, umsoweniger die übernatürlichen (Gutachten 233. 234). So will er auch gegen die Kabbalah keinen Zweifel aufkommen lassen und steht sie ihm als große Heilslehre fest (210). Doch bleibt er immer mild und nüchtern, fern von jedem schwärmerischen Eifer, er warnt vor der Vertiefung in die Geheimlehre, vor deren Uebertragung auf das halachische Studiumgebiet und die allgemeinen Lebensverhältnifse. Wie er selbst keine Heftigkeit gegen abweichende Ansichten kennt, so sind ihm auch die scharfen Redensarten, deren sich nicht selten Thalmudisten gegen einander bedienen, im hohem Grade auffallend, und er sucht ihnen den verwundenden Stachel zu entziehen (152). Er hat auch keine Lust daran, sich mit brennendem Eifer allen möglichen Erschwerungen in die Arme zu werfen; ruhigen Blickes prüft er den Gegenstand und will durchaus nicht thalmudischer als der Thalmud sein. So erkennt er z. B. an, daß man die Vorschrift, den Todten nicht über Nacht unbeerdigt zu lassen, keineswegs als biblisch betrachten müsse, wie denn überhaupt der thalm. Ausdruck, man übertrete mit dieser oder jener Handlung ein biblisches Gebot, nicht überall stricte zu nehmen sei (139, vgl. Zusätze). Er findet es übertrieben, sich der Nennung der Maria und der nach ihr bezeichneten Münze (Mariengroschen) zu enthalten, er betont dabei mit allem Nachdrucke und mit allem redlichen Ernste den thalmud. Ausspruch, daß die Nichtjuden der Gegenwart durchaus nicht als Götzendiener zu betrachten seien, ja er geht so weit, ernste Bedenken zu äußern gegen gehässig lautende Stellen in den Gebeten, die, wenn sie auch in der That einen solchen Inhalt nicht haben, doch besser zu beseitigen seien (vgl. S. 5b f. und Zusätze S. 255 b.) Besonders hervorzuheben bei ihm ist seine überwiegende Neigung zum methodischen Studium des Thalmud und seine verdienstlichen Leistungen auf diesem Gebiete. Die entschiedene Ab- Neigung gegen das pilpulistische Treiben, wie er es im eigenen Namen, so wie in dem seines Vaters darlegt (123. 124), theilt er mit vielen zeitgenössischen und vorangegangenen Koryphäen. Angefragt, wie man einen jungen Mann im Thalmudstudium anleiten solle, vermag er freilich einen bestimmten Weg nicht anzugeben und tastet unsicher umher (123). Allein man gewahrt überall, wie er mit Vorliebe das doctrinelle Verfahren des Thalmud, die in der Discussion und Entscheidung leitenden Grundsätze