Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 144)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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224 Umschau. sich selbst klar zu machen und sie zu beleuchten sucht. Besonders werthvoll sind daher diejenigen Gutachten in der uns von ihm vorliegenden Sammlung, welche sich ausschließlich auf diesem Gebiete bewegen. So handelt Nr. 94 über die Beweggründe, welche die Entscheidung nach gewissen Autoritäten veranlassen (2 Nr. 124 über die Art, wie im Thalmud eingehend über Gegenstände verhandelt wird, welche während des Exils keine Anwendung finden, während er anderswo solche Untersuchungen, als der Messiaszeit angehörig (דללהתא לבלעגיחא), abweist, Nr. 203 über das Verfahren, nach Analogien zu schließen (ד*מןמו). Von ganz besonderer Bedeutung ist endlich seine Abhandlung über die angeblichen sinaitischen Traditionen (ד1לכד1 למשד בלסיני) in Nr. 192, neun Doppelquartseiten enthaltend. Die Fülle des Materials, welches Bacharach hier fast erschöpfend beibringt, Md die Unbefangenheit, mit der er dasselbe betrachtet, können freilich bei dem Mangel einer darüber stehenden Kritik noch immer nicht zu einer tieferen Auffassung und Beleuchtung der herrschenden Gedanken hinführen, allein wie sie den Grundzug der geistigen Richtung in B. offenbaren, so gewährt uns auch der Eindruck, welchen das Schulverfahren des Thalmud auf einen methodisch angelegten Geist macht, lichtend und sichtend gar manchen richtigen Einblick in jenes mit wenig strenger Zucht gehandhabte Verfahren, das sich mit schwankenden Annahmen und Vorstellungen begnügt und sie ohne tieferes Eingehn, ohne feste klar erkannte und begränzte Regel anwendet. *) *) Auch in der Sammlung von Gutachten, welche Bacharach 20 Jahre früher, 1679, von seinem Vater und Großvater unter pM Namen: Chut ha-schani zusawmenstellte und herausgab, sind einzelne von ihm selbst aufgenommen, die denselben Geist offenbaren, welcher die spätere eigne Sammlung durchweht. So stellt er in Nr. 20 daselbst (23 a ff), indem er sein eignes Verfahren entschuldigt, wonach er sich nicht scheute von bedeutenden auch früher lebenden Gelehrten auszusagen, es seien ihnen Stellen aus dem Thalmud oder den Casuisten entgangen, eine große Anzahl von Stellen zusammen, in denen ein solcher Nachweis auch von früheren Gelehrten gegen große Vorgänger mit Glück unternommen worden. Er bringt dabei gelegentlich die Stellen an, wo z. B. Raschi in schlichter Geradheit sagt, er wisse nicht, was dieser oder jener Ausdruck bedeuten solle, könne nicht angeben, wo stch die angeführte Stelle finde, während man später meistens das ihm Entgangene aus älteren Quellen nachgewiesen habe. Dabei kommt er auch auf gleichnamige thalmudische Lehrer, deren Nichtunterscheidung viele Ver-