Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 142)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Umschau. Werse die Männer der damaligen Zeit zu wecken in ihren geglätteten deutschen Übersetzungen wie in ihren paraphrasirenden hebräischen Commentaren. Nur etwa Joel Löwe ragt unter ihnen hervor als selbstständiger Grammatiker und Kritiker (vgl. auch hier S. 591), und später hat Wolf Heidenheim (gest. 1832) gründliche Anregungen gegeben zu genauerem grammatischen und lexikalischen Studium. Allein in neuester Zeit beginnen wiederum die Juden Antheil zu nehmen an der großen Bibelarbeit, und ihre Thätigfeit wird sich als eine fruchtbare immer mehr die Anerkennung erringen. Man sieht aus dieser stüchtigen Skizze, wie tief die jüdische Bearbeitung der Bibel auf die ganze Gestaltung von deren Auffassung innerhalb der Kirche eingewirkt hat, und wie ohne eine genügende Kenntnißnahme davon selbst die Aufgabe einer ״Geschichte des Alten Testaments in der christlichen Kirche" nicht befriedigend gelöst werden kann. 13. October. 4. Jair Chajim Bacharach. Aus der Dürre des endenden siebzehnten Jahrhunderts ragt Jair Chajim Bacharach hervor. Auch er war freilich Nichts weiter als Thalmudist, wie er vorzugsweise in seiner Gutachtensammlung, die 1699 nicht lange vor seinem Lebensende unter dem Titel ״Chawoth Jair" erschien, beweist; dennoch war er ein für seine Zeit vielseitig unterrichteter Mann, mit allen jüdischen Schriften, wenn sie auch über das Halachische hinausgingen, mit den philosophischen und ethischen Werken Bachja's, Juda Ha-Levi's, Maimonides', Albo's u. A., mit den allgemein wissenschaftlichen eines Asaria de Rosst, der Delmedigo, Elias und Joseph Salomo, selbst des Christen Wagenseil u. dgl. Wohl vertraut, ja er gab sich mit Vorliebe der Mathematik und Astronomie hin, und glaubte sogar Euklid eines Jrrthums überführen zu können (C. I. Gutachten 173. 174. 219). Wohl dachte er nicht daran sich kritisch über den thalmudischen Standpunkt zu erheben, Alles, was er in dieser Quelle vorfand, hatte für ihn unverbrüchliche Geltung, und einem Freunde, der schüchtern Bedenken äußerte gegen gar seltsame Heilmittel und Beschwörungsformeln, wie sie der Thalmud empfiehlt, tritt er mit vollem Glauben daran entgegen und macht ihm bemerklich, daß wir die natürlichen Wirkungen gewisser Dinge