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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 221

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 221 (sequence 141)
Language
German
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Diestel: Bibel-Exegese. 221 nimmt. Isaak Abrabanel, der wenig selbstständige Sammler, dabei von engem Dogmatismus befangen, wird besonders die Fundgrube, aüs welcher leicht vieles alte kostbare Gut ausgesucht wird. Auch die kritischen Fragen, wie sie von den Juden angeregt worden, wie die Zweifel an dem Alter der hebräischen Vocale (S. 253 ff. 334), die Frage über die Verwandlung der samaritanischen Schrift in die assyrische (S. 333), fangen die christlichen Bibelforscher an ernst zu beschäftigen. Noch zur Zeit, als die Geister die Fesseln dogmatischer Anschauung zu brechen beginnen, als die Einen dem Systeme des Deismus folgten, die Andern, es bekämpfend, doch zu rationalerer Erklärung gedrängt werden, sind es wieder die früheren von den jüdisch-mittelalterlichen Philosophen versuchten Lösungen, nach welchen man greift; so geht Spencer vollständig in die Spuren des Maimonides, und noch in ganz später Zeit folgt Jerusalem demselben (vgl. S. 750). Unterdessen hat sich freilich die Sprachkenntniß durch die Bekanntschaft mit den semitischen Schwestersprachen, kritische Behändlung und Verständniß des Textes durch die Benützung der alten Uebersetzungen sehr erweitert und verlieft; aber die ungeschickte An- Wendung dieser Hülfsmittel hat auch zu vielen Mißgriffen, oft gänzlich auf Abwege geführt. Namentlich hat die freie grundsatzlose, selbstständig oder nach werthlosen Handschriften geübte Kritik an dem Texte diesen mehr verunstaltet als berichtigt. Hier hatte man die Hand der jüdischen Führer verlassen; die Juden waren überhaupt eine Zeit lang der allgemeinen Geistesbewegung und dem Contacte mit der christlichen Gelehrsamkeit fern geblieben. Als mit Mendelssohn auch für sie eine neue Zeit eintrat, hatte die innere Entwickelung andere Zielpunkte als nach dem eindringenden Bibelstudium hin. Es mußte eine längere Zeit ganz auf die Aufgabe verwendet werden, die Versäumnisse an dem Erwerbe der allgemeinen Bildung nachzuholen, dann auch die gewaltigen Massen, welche sich um die Bibel gelagert, theils wegzuräumen theils nach wissenschaftlicher Methode zu durchdringen. Soweit man sich mit der Bibel beschäftigte, war das Augenmerk mehr darauf gerichtet, den einfachen Sinn, wie ihn jedoch schon die alten großen Exegeten festgestellt hatten, wieder gegenüber der fast zur Alleinherrschaft gelangten hagadischen Deutung zur Geltung zu bringen; in den eignen Studien leitete weniger eindringender wissenschaftlicher Sinn als vielmehr ästhetisches Sprachgefühl, und dieses suchten auch Vorzugs-

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