Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 140)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Umschau. aber auch ferner von dem symbolischen Deutungsverfahren der jüdisch-alexandrinischen Philosophie geleitet. Hieronymus führt wieder zum hebräischen Texte zurück, ohne einen Nachfolger in dieser Kenntniß zu finden, seine lateinische Übersetzung wird zur Herrschenden, die heute noch in der katholischen Kirche die kanonische ist. Er aber wird ausschließlich von den oben genannten drei späteren jüdischen griechischen Uebersetzern geleitet, wie er außerdem die mündliche Anleitung jüdischer Lehrer benützt. Die seinen Schriften einverleibten, aber ihm nicht angehörigen tzua68tion68 ln 1idr08 Regum et Paralipomenon, rühren sogar wahrscheinlich von einem späteren Juden des neunten Jahrhunderts her (S. 102 Anm. 34). Andererseits ist die antiochenische Schule ״mehrfach berührt durch die in Syrien blühende jüdische Exegese" (S. 126). ״Daß Theodor von Mopsueste Grade der Inspiration annahm und Salomo nur die Gabe der Weisheit, nicht die Weissagung zuschrieb, ist gewiß den Einflüssen der älteren jüdischen Schulüberlieferung zuzuschreiben" (S. 130). Nun deckt mehrere Jahrhunderte hindurch die Welt das dichteste Dunkel, bis durch moslemische Einflüsse im elften Jahrhundert Erklärung und Auffassung der Bibel unter den Juden der von Arabern beherrschten Länder wie in Nordfrankreich zu erhöhter Blüthe sich entfaltet. Schon bei Richard von St. Victor, der 1173 gestorben, ״zeigen sich deutliche Wirkungen der von den jüd. Exegeten angeregten Exegese" (S. 191). Die großen philosophischen Kirchenlehrer des dreizehnten Jahrhunderts, Albert der Große, Duns Scotus und Thomas von Aquin, stehn bekanntlich sehr unter dem Einflüsse von Gabirol und Maimonides. Mit Nicolaus von Lyra beginnt die Abhängigkeit von Raschi*), die sich bis zu Reuchlin erhält. Mit ihm dringt zuerst die philosophisch gefärbte Kabbalah in die christliche Schriftdeutung ein, aber es beginnt auch wieder die Kenntniß der hebräischen Sprache, des biblischen Urtextes, jedoch in enger Anlehnung an die jüdischen Lehrer. Für Grammatik werden David Kimchi und Elias Levita die zuverlässigen Führer, in der Exegese erlangt ersterer die Herrschaft neben Raschi. Immer mehr erweitert sich die Kenntniß der jüdischen Literatur, der man Erklärungen, Probleme und deren Lösungen ent- ג) Darüber beginnt neuerdings eine Vergleichung Hr. Siegfried in dem vierten Hefte von Merx' Archiv.