Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 138)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Umschau. Aufgabe auf die Erklärerthätigkeit innerhalb der Christenheit ein Mangel, der den wirklich geschichtlichen Einblick in die Entwickelung der exegetischen Wissenschaft und der leitenden religiösen Ideen vollständig verhindert, indem die christliche Wissenschaft in diesem Punkte bis Vor etwa zwei Jahrhunderten von jüdischen Vorgängern und Zeitgenossen nicht etwa blos beeinflußt, sondern geradezu abhängig ist. Was früher die christlichen Gelehrten aus ihrem Eignen zur Auffassung der hebräischen Bibel hinzugethan, diente nur dazu falsche Annahmen einzuführen, oft mit der größten Gewaltsamkeit den Sinn zu verdrehen. Erst seit der neueren Zeit hat die Wiedererweckung der alten Uebersetzungen, die erweiterte Kenntniß des Semitismus und der freiere religiöse Blick die christliche Gelehrsamkeit über die Gränzen hinausgesührt, bis wohin sie die jüdische geleitet hat, und sie zu einem selbstständigen Fortschritte befähigt. Aber die falsche Vorstellung, daß der ganze religiös-biblische Inhalt nicht blos theilweise das Christenthum befruchtet, sondern vollständig in es ausgemündet, in ihm aufgegangen sei, trübt noch immer den Blick für die richtige Auffassung und bringt fremdartige Elemente hinein. Man hat sich ferner, nachdem man auf eignen Füßen zu stehn glaubte, mit einem fast knabenhaften Trotze von seinen ehemaligen jüdischen Führern völlig abgewendet, die nachbiblischen jüdischen Denkmale zuerst ignorirt, dann vollständig deren Verständniß verloren und hat es glücklich fast zur Unfähigkeit gebracht, sich deren Verständniß wieder neu zu erschließen. Dadurch entbehrt man Urkunden, deren wahren Werth und Gehalt erst die neuere jüdische Forschung richtig zu würdigen gelehrt. Man zögerte bisher noch, theils weil man nicht von Juden lernen wollte, theils man nicht selbstständig prüfen konnte, die Resultate dieser neueren jüdischen Forschung anzunehmen, wird aber doch allmälig unbefangener und einsichtsvoller und sucht sich diese neueren Ergebnisse anzueignen. So tritt denn auch in neuester Zeit mindestens eine Wechselwirkung zwischen christlicher und jüdischer Gelehrsamkeit in der exegetischen Wissenschaft ein. Wenn nun der Vfr. sich auf die erstere beschränkt, so fühlt er Wohl selbst und wurde auch darauf aufmerksam gemacht, wie sehr er durch diese Beschränkung in der Erfüllung seiner eignen Aufgabe behindert wird. Er spricht sich darüber in der Vorrede S. V offen aus in folgenden Worten: ״Was die Begrenzung des Stoffes betrifft, so bin ich in Einem Punkte meinen Lesern nähere