Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 137)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2421001-2421003--2482-2423414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Diestel: Bibel-Exegese. 217 zugänglich. Dann lesen Sie Tome III 1867 p. 107 ״inscription hebraique d’Aix“, und Sie werden Ihren Spaß daran haben. 3. Zur Geschichte der Bibel-Exegese. ״In der Erklärung der biblischen Urkunden prägt sich am Schärfsten das religiöse Bewußtsein der Zeit aus." Diese Worte leiteten vor mehr als zwanzig Jahren (1847) die Besprechung der nordfranzösischen Exegetenschule (Rite Naamanim) ein, und sie wurden acht Jahre später (1855) bei einer neuen Behandlung desselben Gegenstandes (Parschandatha) wiederholt. Weiter ausgeführt wurde dieser Gedanke und umfangreicher angewendet nicht lange darauf (1857) in meiner ״Urschrift" S. 72, woselbst es heißt: ״Die Bibel ist und war zu allen Zeiten ein lebendiges Wort, nicht ein todtes Buch. Sie redete zu allen Geschlechtern ..., sie war immer ein unter ihnen Gegenwärtiges, nicht ein abgeschlossenes Buch des Alterthums . . . Das ewige Wort gehörte nicht einer bestimmten Zeit an, es konnte nicht von der Zeit seiner Erscheinung abhängig sein, es durfte ebensowenig angeblich neuer Wahrheiten und Erkenntnisse entbehren. Daher trug eine jede Zeit, eine jede Richtung, eine jede Individualität in die Bibel ihre ganze eigne Auffassung hinein; daher die Erweiterungen, Deutungen, typischen und symbolischen Erklärungsversuche. Bei allem Streben und Verlangen nach objectiver Auffassung will eine solche nicht gelingen, und auch der Ungläubige trägt seine Antipathie in seine Erklärungsversuche hinein." Eine Geschichte der Bibelexegese im Zusammenhänge mit den zeitlichen Einflüssen, den gleichzeitigen sonstigen geistigen Bewegungen ist daher ein Werk von der größten Wichtigkeit für die ganze Religionsgeschichte, und indem sie die Motive bloslegt für die bisherigen Erklärungsweisen, leitet sie auch zu einem richtigeren Verständnisse der Bibel und zu einer geläuterten religiösen Kenntniß an. Auch uns ist daher von hohem Werthe das neue Buch von Diestel, welches mit Gründlichkeit, Einsicht und in zweckmäßiger geschichtlicher Gliederung die ״Geschichte des alten Testaments in der christlichen Kirche" behandelt (Jena, 1869, XVI u. 817 Seiten). So sehr aber die gelehrte Forschung und der gesunde Geistesblick es dem Vfr. ermöglichte, ein reiches Material in tüchtiger Bearbeitung vorzulegen, so liegt doch schon in der Begränzung seiner