Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Reeenstonm. schätzte, so blieb es doch immer anstößig und bedenklich, daß man hierzu der Vermittelung der Juden bedurfte, weil man der Gefahr ausgesetzt war, zugleich auch ihre in dogmatischer Hinsicht diametral entgegenstehenden Erklärungen eindringen zu lassen. Insbesondere mochte dies solchen Juden gegenüber der Fall sein, die;— wir wissen nicht, aus welchen Gründen — zum Christenthume übergetreten waren und sich der Reformation angeschlossen hatten, aber doch den inneren Widerspruch nicht unterdrücken konnten, sobald es sich um die Feststellung der Glaubenssätze handelte. Ein solcher Mann war Matthäus Adrianus, der anfangs von Luther aufs eifrigste begünstigt wurde, aber bald in völligen Zerfall mit ihm gerieth, was freilich auch von einer gewissen Unverträglichkeit und andern abstoßenden Eigenschaften, die ihm anhaften mochten, herzurühren scheint. Wenige Monate nachdem Adrianus sich in Wittenberg niedergelassen hatte, ״war das Verhältniß vollständig gelöst: Adrian wüthet, schreibt Luther, und sucht eine Gelegenheit, fortzugehn. Ich habe ihm nichts gethan, dennoch verfolgt er mich, will mich das Evangelium lehren, er der nicht einmal seinen Moses versteht. Und kaum einen Monat darauf war die Feindschaft offen ausgebrochen, Adrian hatte sich der Lehre Luthers, daß nur der Glaube etwas vermöge und die guten Werke ohne Kraft seien, widersetzt. Einen ganz ungelehrten Menschen in der Theologie nennt er ihn, vollständig unnütz und gleich zu entlassen." (S. 47.) Es wäre ein nicht unwichtiger Beitrag zur Geschichte, wenn die Juden, namentlich auch die getauften, die im Zeitalter des Humanismus und der Reformation miteinwirkten, nach ihrer verschiedenartigen Betheiligung an der allgemeinen Bewegung genau gezeichnet und zusammengestellt würden. So z. B. verdiente auch Johann Isaak, der sogar in Köln Hebräisch lehrte, eine eingehende Darstellung. Nach den Proben zu urtheilen, die uns (S. 136 u. 138) mitgetheilt werden, war er - trotz einiger unhaltbaren Be- Hauptungen — ein tüchtiger und, wie es scheint, auch scharfsinniger Grammatiker. Das wohlthuende Bild Elias Levita's, der übrigens in der vorliegenden Schrift gut charakterisirt wird, würde selbstverständlich den Gegensatz zu solchen Männern bieten. Er vertritt gewissermaßen den Humanismus von jüdischer Seite und eröffnet zugleich — besonders durch seine Entdeckung von dem spätem Ursprunge der Vocalzeichen — eine großartige Perspective, die bis auf unsere Zeit herabreicht. Ueberhaupt aber wäre das Verhältniß