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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 195

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 195 (sequence 115)
Language
German
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Ludwig Geiger: hebr. Sprache. 195 vor ihrem Gebrauch, ja er geht so weit, den Juden nur grammatische Kenntniß zuzuschreiben und auch diese nur in beschränktem Maße, Sacherklärung, Verständniß des wahren Inhalts sei bei ihnen nicht zu finden, ״״so müssen wir's Lhun, die Christen sind, als die den Verstand Christi haben, ohne welchen auch di^ Kunst der Sprache nichts ist."" Schon die früheren Uebersetzungen hielt er für verderbt, die 70 Dolmetscher sind die ״״allerboshaftesten Leute gewesen, die den König Ptolemäum Philadelphum nur zum Narren haben wollten""; daß sie auf Eingebung des heiligen Geistes übersetzt hätten, will er nicht glauben." (S. 6 u. 7.) Der Mangel an einer wissenschaftlichen Methode und überhaupt an der wissenschaftlichen Grundlage, der sich bei vielen Juden zeigte, bei denen man von christlicher Seite das Hebräische zu erlernen suchte, mochte viel zu der Geringschätzung beitragen, mit der Luther u. A. über ihr Verständniß urtheilten; auch mußten manche agadische Auslegungen und Spitzfindigkeiten, die man für den eigentlichen Schriftsinn ausgab und mit den rationellen Erklärungen eines D. Kimchi u. A. untermengte, den Spott nüchterner, an eine klare und besonnene Auffassung gewöhnter Geister Hervorrufen. Ebenso ist es gewiß wahr, daß die jüdischeu Commentatoren uns da, wo es sich um Sacherklärungen handelt, nicht selten im Stiche lassen. Die neuere jüdische Theologie wird es jederzeit mit großem Danke anerkennen, wie viel sie in der ganzen Methode der Wissenschaft den Arbeiten christlicher Gelehrten zu verdanken hat; ja wir sind überzeugt, daß sie noch viel von ihnen zu lernen habe. Hier zeigt sich eine der schönsten und größten Rückwirkungen, die die Reformation auf das Judenthum geübt hat und noch übt. Dagegen ist in unseren Tagen gerade auf dem Gebiete der Bibelforschung eine lebendige, für beide Theile gleich fruchtbare Wechselwirkung Zwischen Judenthum und Christenthum eingetreten, und so sind auch — auf großen Umwegen, die die Wissenschaft genommen hat und nehmen mußte — die s. g. rabbinischen Quellenschriften und Leistungen zur rechten Anerkennung gekommen. In der Zeit des ersten Erwachens der neuen Wissenschaft war eine wahrhaft kritische Würdigung noch nicht möglich. Die entschiedene Abneigung und Scheu vor den jüdischen Commen- Laren wurzelte aber hauptsächlich doch in den dogmatischen Gegensätzen. So hoch man auch die unbefangene, aus der gründlichen Kenntniß der Ursprache geschöpfte Auffassung des Bibelwortes 13*

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