Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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194 Reeenstonen. man sie eines hochgestellten Mannes für unwürdig hielte." (S. 40.) Johann Böschenstein, von acht christlicher Abkunft und von frommen christlichen Eltern erzogen, wurde vielfach unter dem Vorwurfe angefeindet, daß er ein geborener Jude sei. Er vertheidigte sich dagegen öffentlich, indem er seine rein christliche Abstammung nachwies, und äußerte dabei: ״Das red ich nicht darum, ob ich jah ains Juden sun wäre, mich dester verwürflicher vor got schätzen, dann ich wayß das got kein Person besonder ansicht, aber ain heder, der got fürcht und würkt die gerechtikeit, er sey welches geschlechts oder Volks er wölle, der ist angenem got dem Herrn, aber ich muß dannocht meinen Nachkommen zu gut diesen argkwon umbstoßen." (S. 49.) Wenn selbst Luther über Böschenstein äußerte, er sei ״dem Namen nach ein Christ, in der That aber ein Erzjude" (S. 52), so hatte dieser vorurtheilsvolle Ausdruck wohl seinen liefern Grund in einem Widerstreite der Richtungen in eigentlichen Glaubenssachen. Im Gegensätze zu dem Tone, den man in dieser Hinsicht anzuschlagen Pflegte, ist es erhebend, zu vernehmen, wie Reuchlin (in seiner Schrift: 66 art6 cabbalistica) einen Juden einführt. ״Seine Gelehrsamkeit wird gerühmt, die tief und gründlich, nicht blendend und glitzernd, zwar der färbenreichen Blüthen entbehrt, aber durch Früchte ergötzt. Die ganze Nacht hätte ich bei ihm sein können, sagt einer der Fremden (die — der Einkleidung des Buches zufolge — zu ihm gekommen waren, um sich mit ihm zu unterreden), so groß war mein Wunsch, ihn zu hören, sein Antlitz zu sehen, und da muß der unglückliche Sabbath dazwischen kommen. Das allein erschien ihnen störend, sonst gefiel ihnen Alles an diesem Manne. Und ein solcher Mann, gute Götter, ist ein Jude, von Juden geboren, ernährt, erzogen und unterrichtet, von einem Volke, das von allen anderen für barbarisch, abergläubisch, niedrig, verworfen und fern von dem Glanze aller Wissenschaften gehalten wird." (S. 14.) Der Vers, vermuthet Wohl mit Recht, daß Reuchlin in diesem Juden, den er Simon nennt, seinen ersten Lehrer habe zeichnen wollen. (S. 27.) Interessant ist es auch, zu beobachten, wie der eine und andere der Reformatoren, insbesondere Luther sich gegen die jüdischen Commentatoren verhielt. ״Den Rabbinen ist nicht zu trauen, das ist ein Satz, der sich durch alle seine (Luther's) Erklärungen hindurchzieht. Er meint, sie haben die Schrift verdreht und gefälscht, um ihre Träumereien und Einbildungen zu erweisen. Er warnt daher