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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 192

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 192 (sequence 112)
Language
German
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192 Necensionerr. biete eine solche verdient; die Jünger der thalmudischen Wissenschaft aber möchte ich zum Anbaue gerade dieses Gebietes recht ernstlich anregen. 6. Aug. 4. Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland vom Ende des XV. bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts. Von Ludwig Geiger. 140 S. 8. Breslau 1870. Diese Schrift verbindet mit der fleißigsten und gewissenhaftesten Quellenforschung den richtigen Blick auf das Große und Ganze, auf die eigentliche culturgeschichtliche Entwickelung. Mit geschickter Anordnung sind die zahlreichen, mühsam zusammengetragenen, öfters ganz unscheinbaren Einzelheiten zu einem in sich abgerundeten, niemals den Rahmen überschreitenden Gesammtbilde zusammengefügt. Die Zeit des s. g. Humanismus und der Reformation wird uns von einer der gewöhnlichen Auffassung mehr ferne liegenden Seite gezeigt; der Leser, der sich nicht mit diesen Specialstudien beschäftigt hat, gewinnt einen ganz neuen Einblick in die Zeit, sowohl nach ihren Strebungen, als nach ihren Mühen und Kämpfen. In dieser Hinsicht möchten wir auch die Leser dieser Zeitschrift auf diese Schrift aufmerksam machen. Die Würdigung der vielen, für die Specialgeschichte jener Zeit wichtigen Einzelforschungen müssen wir den in diesem Fache competenten Urtheilen überlassen. Der Verf. hat sich nämlich, wie er in der Vorrede sagt, nicht die Aufgabe gestellt, eine eigentliche Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft in dem betreffenden Zeiträume zu geben; er will vielmehr einen Beitrag zur Speeialgeschichte des Humanismus und der Reformation liefern. Hierbei lag es freilich sehr nahe, vom jüdischen Gesichtspunkte auszugehen und zu zeigen, welch großes und unschätzbares Gut die von den Juden bewahrte Kenntniß des Hebräischen für die Reformation und die ganze christliche Theologie war; allein der Verf., der sich überhaupt einer möglichst objectiven Auffassung und dabei überall des knappsten Ausdrucks befleißigt, hat jeden irgendwie confessionellen Standpunkt sorgfältig vermieden. Um so mehr aber wird sich dem Leser die Bemerkung aufdringen: Was wäre die Reformation, wie wäre sie überhaupt in ihrer vollen Bedeutung möglich gewesen, ohne das Häuflein Juden, auf deren Bedrückung und Vernichtung man im Mittelalter mehr oder weni-

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