Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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Schmiedl: Studien. 175 stehen, so sehr sie an deren Modalitäten herumarbeiten mögen. Die Verbindlichkeit des ganzen Gesetzes, ohne daß irgend eine Umgestaltung möglich sei, bis auf die kleinste thalmudische Satzung war ein unverbrüchliches Dogma, und so mußten auch metaphysische wie ethische Grundsätze daran einen Maßstab finden. — Die Grundlage, die auf diesen und ähnlichen Voraussetzungen errichtet ist, muß man stets in Betracht ziehen, wenn man sich die damalige philosophische Bewegung erklären will. Natürlich unterläßt dies auch Hr. Schm, nicht, und er geht auch hie und da auf religionsphilosophische Anklänge im Thalmud und auf den durch ihn zum Ausdrucke gelangten allgemeinen jüdischen Volksglauben ein. Jedoch geschieht dies, meines Bedünkens, nicht genügend, und zugleich Waltet, wenn der Vfr. die Besprechung dieses thalmudischen Stand- Punktes unternimmt, ein bedenkliches apologetisches Streben ob, von dem er sich für die mittelalterlichen Philosophen mit Recht nicht bestimmen läßt. Wir können hier auf diesen Gegenstand, der eine umfassende Betrachtung nöthig macht, nicht näher eingehen und wollen beispielsweise blos zwei Bemerkungen anknüpfen. Im letzten Abschnitte (S. 319 ff.) spricht der Vfr. ״gegen den Aberglauben", und da vermissen wir gerade etwas sehr Wichtiges. Allerdings ist biblisch Zauberei-, Todtenbeschwörung u. dgl. untersagt, von Dämonen kommt kaum in ihr etwas vor, der Verkehr mit ihnen wird auch, wenn davon die Rede ist, perhorrescirt; der Thalmud folgt natürlich hierin im Allgemeinen der Bibel, obgleich er manchen Aberglauben dennoch in sich duldet, ja hegt. Aber Zauberei, Dämonen u. s. w. erschienen dem Thalmud nicht als wesenlose Dinge, denen blos die irregeleitete Phantasie eine Macht beilegt, vielmehr erblickt er in ihnen wirkliche Mächte, mit denen der Verkehr jedoch als ein schädlicher, als ein in Gottes Rechte eingreifender verboten ist. Die Philosophen des Mittelalters wollen nun zwar davon Nichts wissen, sie wollen Verbot und Betrachtung derselben als nichtiger Wesen identificiren, aber sicher nicht nach Anschauung des' Thalmuds, und sobald die Philosophie ihr Uebergewicht verliert, tritt auch wieder die Ansicht in den Vordergrund, daß derartige Werke sündhaft, nicht aber der Glaube an ihre Wirksamkeit irrig sei. In dem Abschnitte über ״die vermenschlichenden Ausdrücke in der Bibel" (S. 239 ff., besonders S. 245 ff.) berührt der Vfr. auch die Anwendung, welche die Philosophen von dem thalmudischen