Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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174 Recenstonen. ihres Inhalts mehr unzugänglich, dem Uebersetzer stellen sich ganz besondere Schwierigkeiten entgegen, und wenn er sie nothdürftig überwunden, so bleiben die Schriften dem Leser dennoch fremd. Ganz anders Aristoteles in seiner durchaus nüchternen Klarheit. Die Form seiner Schriften war so plan, so allgemeinmenschlich, daß sie — abgesehen von der Schwierigkeit, welche überhaupt philosophische Darstellungen darbieten — allen Denkenden zugänglich waren, sich für alle Sprachen eigneten. Dennoch mußten sie von Seiten ihres Inhaltes, um der religiösen Geistesrichtung angemessen zu sein, sich einer gewissen neuplatonischen Umdeutung anpassen. Wir brauchen kaum darauf aufmerksam zu machen, wie sehr die Einsicht in diese Vorgänge auch Schlaglichter auf die ganze philosophische Entwickelung der Zeit, namentlich auch im Judenthum, wirft. Dadurch, daß der Stoff in dem Buche zerlegt ist, sind, wie gesagt, sonst unnöthige Wiederholungen unvermeidlich gewesen, und der Vfr. muß oft einen neuen Ansatz machen, wenn er bei jedem einzelnen Problem die abweichende Ansicht eines Philosophen einführt, und diesen selbst nochmals charakterisiren. Dennoch gelangt man nicht zu einer eindringenden Erkenntniß namentlich derjenigen Denker, welche ihren eigenthümlichen Weg gehen, wie Gabirol, Crescas, Albo, der zwar kein selbstständiger Denker, doch in Abwehr und Polemik gegen das dogmatische Christenthum zu mancher \ abweichenden Ansicht gedrängt wurde. Selbst von Maimonides, | der als der systematischste Kops, als Resultat des ganzen voranj gegangenen Denkprocesses erscheint, dem alle auf ihn folgenden Geschlechter nachgehn, theils voll huldigend, fast mit Aufgabe aller Selbstständigkeit, theils an ihm herumdeutend, hie und da sich Wider ibn sträubend und dennoch unter ihn sich beugend, selbst von ihm erhalten wir keine übersichtliche Auffassung. Im Ganzen freilich bewegen sich die Denker des Mittelalters innerhalb des engumschriebenen Kreises, der ihnen einmal gezogen s ist und den sie zu verlassen nicht wagen. Es liegen ihnen fertige religiöse und praktische Ergebnisse vor, wie die positive Religion sie aufgestellt hat; sie können dieselben prüfen, sich mit ihnen auseinandersetzen, aber sie dürfen sie nicht alteriren, müssen in deren Umdeutung mit größter Vorsicht zu Werke gehn. Der Glaube an die biblischen Wunder z. B. ist für sie verbindlich, und in ihnen findet sogar Maimonides einen entscheidenden Beleg für den zeit- ] lichen Anfang-der Schöpfung. Die Auferstehung muß ihnen fest-