Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Schmiedl: Studien. 173 psychologischen, namentlich eschatologischen Begriffe wie die ethischen Anforderungen in einem bedenklichen Zwiespalte mit den religiösen Anschauungen standen, der entweder zu einer sehr mit Widerstreben aufgenommenen Beschränkung dieser oder zu höchst gezwungenen Versuchen, einen Einklang zwischen ihnen herbeizuführen, drängte. Wenn schon dieses verhindert, die Bevorzugung des Aristoteles in der Homogeneität seines Systems mit den herrschenden religiösen Ansichten zu finden, so tritt dieser Lösung noch in höherem Grade der Charakter der platonischen Philosophie und die Geschichte entgegen. Der platonische Idealismus stellt den Gottesbegriff voran, so daß man sich zu ihm nicht analytisch mühsam emporarbeiten muß; er ist vielmehr im Bewußtsein vorhanden, und von ihm aus geht dann alle Entwickelung in Sein und Denken aus. Das stimmt weit mehr mit den positiven Religionen, als der nüchterne Voraussetzungslose Aristotelismus. So befähigt auch den Platonismus seine geistige Vertiefung und Innerlichkeit, seine Unsterblichkeitslehre und sein ethisches Pathos, sowie auch seine Anleitung zur Vergeistigung der populären Vorstellungen weit mehr sich dem positiv-religiösen System anzuschmiegen, er befriedigt daher dessen Anforderungen weit mehr. In der That sehen wir denn auch zuerst die Philosophie des Platon ihre Versöhnung mit der Religion feiern. Der jüdische Alexandrinismus erbaut sich auf platonischen Grundlagen, der Neuplatonismus dringt in die ersten christlich-philosophischen Versuche ein, ja Aristoteles selbst muß sich solcher neuplatonischen Umdeutung fügen und gelangt auch später, als er in Uebersetzungen herrschend wird, nur in dieser Fassung zur Geltung. Was jedoch dann den Platonismus verdrängte, war der Umstand, daß Platon's Denkweise und Schriften aufs Engste mit dem griechischen Geiste und der griechischen Sprache verknüpft sind. Seine dichterische Darstellungsweise, sein Anlehnen an griechische Mythen, sowie die ganze subjective und nationale Eigenart seiner Gedankenentwickelung eröffnen demjenigen das Verständniß seines Jdeenganges, machen nur dem möglich sich in denselben hineinzuversetzen, welcher gleichfalls im griechischen Geiste heimisch ist. Das war nun Wohl der Fall selbst bei den Anhängern des Judenthums oder des Christenthums, so lange die griechische Sprache herrschend war. Sobald aber diese mehr und mehr aus dem Leben schwand, wurde das Verständniß der platonischen Schriften auch von Seiten