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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 172

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 172 (sequence 92)
Language
German
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172 Recensionen. Maßgabe der jüdisch-mittelalterlichen Philosophie, mit Kenntniß des Materials und mit Unbefangenheit, nur selten mit kritischer Beurtheilung, also in objectiver Darstellung, die, wenn sie auch nicht Neues giebt, den mit dem Gegenstände bisher nicht Vertrauten sehr Wohl orientirt. Freilich würde dieser Zweck besser erreicht und häufige Wiederholungen, wie sie jetzt Vorkommen, würden erspart worden sein, wenn die Behandlung eine mehr methodische, systematisch zusammenfassende und geschichtlich gegliederte wäre. Die philosophischen Probleme stehn im engsten Zusammenhänge, eine abgesonderte Betrachtung eines jeden einzelnen widerstrebt ihrem innersten Wesen; der Einfluß der vorausgegangenen Lösungsversuche aus die folgenden Denker ist ein so nothwendiger, daß das Verständniß späterer Gedankenreihen nur durch die Kenntniß der in früheren Systemen angeregten möglich ist, und zugleich wirkt auch der Gang der Weltereignisse bestimmend auf die Denkweise ein, so daß derselbe nicht außer Betracht bleiben darf. So hätte z. B. was hier als dreizehnter Abschnitt (S. 262 ff.) nachhinkt, am Anfänge einleitend besprochen werden müssen. Der Hr. Vers, wirft sich da die Frage auf: ״Was hat den Aristotelismus in der jüdischen Religionsphilosophie so populär gemacht?" Er erkennt es Wohl, daß die Frage richtiger dahin zu bestimmen ist, was Aristoteles zum Beherrscher des ganzen, auch außerjüdischen Mittelalters, also zunächst unter Moslems dann auch in der Christenheit, gemacht. Da die Kenntniß der griechisch-philosophischen Werke im Originale unzugänglich geworden, nur die des Aristoteles, und auch sie mittelbar, in arabischer Uebersetzung vollständig vorlagen, so konnten sie allerdings nur die geistige Nahrung bilden, den Boden bieten, auf welchem die Denker ihre Operationen anstellten. Allein die Frage kehrt dann dahin mrück: Wieso kam es, daß gerade die Werke des Aristoteles vorzugsweise zur Uebersetzung gelangten und in solcher sich verbreiteten, während die des Platon — von dem hier allein noch als einem ebenbürtigen Nebenbuhler des Aristoteles die Rede sein kann — nur theilweise übersetzt wurden und die Uebersetzungen wenig Verbreitung fanden? Herr Schmiedl glaubt, der Charakter der aristotelischen Metaphysik als einer besonders theologischen, die in ihr maßgebende Fassung des Gottesbegriffes sei der herrschenden religiösen Richtung sehr homogen gewesen, und Dies habe deren Alleinherrschaft bewirkt. Dennoch muß er selbst andererseits zugestehn (S. 268 ff.), daß die

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