Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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166 VIII. Ueber den Hebräerbrief. Sadducäismus hervorgegangen, dennoch diesen Glauben ganz einfach voraussetzt. Ob der Vers, vor oder nach der Zerstörung des Tempels gelebt, darüber ist die christliche gelehrte Welt sehr getheilter Ansicht. Irgend einen Beweis, den Brief hoch hinauf zu datiren, sehe ich durchaus nicht. Daß er von Opfer- und Priestervorschriften spricht als wenn sie noch Gültigkeit hätten, ist überhaupt nur bei dem Pressen des Buchstaben aus seinen Worten herauszudeuten. Aber selbst wenn er es thut, so beweist Dies blos, daß damals noch die Verbindlichkeit der Vorschriften, wenn sie auch nicht alle ausgeführt werden konnten, in ihrer ganzen Strenge sestgehalten wurde, und dem begegnen wir ja auch in dem ganzen thalmudischen Judenthume. Aber gerade daß er nur von der Stiftshütte und ihren Einrichtungen spricht, niemals aber von dem noch zu seiner Zeit befindlichen Tempel, beweist, sollte ich meinen, daß er zu einer Zeit geschrieben, in welcher gar Nichts mehr vor Augen stand und Alles blos aus dem pentateuchischen Gesetz, als maßgebend für einen jeden Tempel, entnommen wurde. Wenn er ״das goldne Rauchfaß" in das Allerheiligste versetzt (9, 4), so drückt er sich freilich etwas ungenau aus, da der Räucheraltar zwar eng an das Allerheiligste gerückt war, aber doch außerhalb desselben sich befand; der Vers, wird zu seinem ungenauen Ausdrucke dadurch verleitet, daß die Räucherung am Versöhnungstage durch den Hohenpriester im Allerheiligsten vollzogen wurde. Natürlich stand der Vers, bei der Auffassung der Bibelstellen auf dem Standpunkte seiner Zeit und bezog sich auf die alten biblischen Angaben nach der Art, wie sie im damaligen Leben der Juden galten. Die christlichen Gelehrten könnten sich viele Untersuchungen und Vermuthungen ersparen, wenn sie sich an diese Voraussetzung hielten. So ist es nicht befremdlich, wenn der Vers, sagt (7, 27. 10, 11), der Hohepriester bringe jeden Tag ein Opfer für sich selbst dar (vergl. Wilibald Grimm: Zur Einleitung in den Brief an die Hebräer, in Hilgenfeld's Zeitschrift 1870 Heft 1 S. 57), da die thalmudische Auslegung von 3 Mos. 6, 13 sich dahin ausspricht, daß zwar der gewöhnliche Priester ein Mehlopser nur darzubringen habe, wenn er sich zum ersten Male zum Priesterdienste anschickt, der Hohepriester aber ein solches täglich darzubringen verpflichtet sei, und ist dieses unter dem Namen חביתי ההן גדול bekannt. Ebensowenig darf es auffallen, daß der Vers, das Manna-