Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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164 VIII. Ueber den Hebräerbrief. daß er jedoch den specifisch-sadducäischen Parteiansichten gehuldigt habe. Solcher Priester gab es gewiß viele, und wir begegnen bis in die späte Zeit hinein priesterlichen Pharisäern, die einendermittelnde Stellung einnahmen. Von entschiedenen sadducäischen Tendenzen finden wir allerdings, mit Ausnahme des Uebergewichtes, welches auf Priester und Priesterdienst gelegt wird, in dem Briefe Nichts, ja man könnte im Gegentheile in der weitläufigen Besprechung über die Vorzüge der Engel (Cap. 1 und 2), in dem festen Glauben an die Auferstehung (6, 2) eine entschiedene Abweichung von sadducäischen Meinungen erblicken. Gegen diese Modification habe ich an sich Nichts zu erinnern; die Hauptsache bleibt, daß ein Priester mit den seinem Stande nothwendigen Anschauungen spricht, daß wir die Stellung eines solchen zum neu erstandenen Glauben an die Erfüllung der messianischen Erwartungen kennen lernen, und es kommt weniger darauf an, ob derselbe der sadducäischen Partei-Nüancirung fester oder loser anhing. Ein entschiedenes Abgehn freilich von sadducäischen Ansichten sehe ich bei dem Vfr. gleichfalls nicht. Wenn er die Würde der Engel zugiebt, so widerstreitet dies sicher nicht sadducäischen Annahmen. Die Sadducäer können unmöglich die Existenz der Engel und ihre hohe Stellung in der göttlichen Weltordnung gegenüber den deutlichen Aussprüchen der Schrift in Abrede gestellt haben; sie haben wohl nur als Männer der Verwaltung, als staatsmännische Vertreter einer ״realen Politik" den schwärmerischen Glauben an das immer wiederkehrende wunderbare vermittelnde Eingreifen derselben in die Angelegenheiten der Menschen, an deren sichtbaren Schutz abgelehnt, sie haben, weniger wundersüchtig als die Pharisäer, deren Behauptung und Erwartung, daß die Engel immer bereit seien, ihnen zur Förderung ihrer Zwecke beizustehn, kühl von sich gewiesen. Dies schließt aber nicht den Glauben aus, daß die Engel, deren Dasein und Wirksamkeit nach dem Aufträge Gottes nicht geleugnet wird, in früherer Zeit, wenn Wunder geschehen, als Vermittler gedient haben, ja daß durch sie auch die Offenbarung und die Lehre den Menschen zugekommen (2, 2). Diese Ansicht, sehen wir bei den Gebildeten der alten Zeit, die den unmittelbaren Verkehr Gottes mit den Menschen fern zu halten sich gedrungen fühlen, überall hervortreten, und ebenso finden wir bei den geistigen und Wohl auch leiblichen Nachkommen der Sadducäer, hei den ältesten Karäern, diese Behauptung sehr entschieden fest-