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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 140

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 140 (sequence 60)
Language
German
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140 VII. M. Nosenberg und K. Köhler. Auslegungsshstem der Rabbinen drang durch und erstreckte sich allmählich über das ganze Buch der Chronik, jemehr der genealogische Theil mit dem großen geschichtlichen Fragmente zu einem scheinbar einheitlichen Ganzen verwuchs. Die kleinen Parteistreitigkeiten älterer Zeit hatten ihre theoretische Schärfe auch bald verloren, so daß man, die Tendenz der Parteischrift vergessend, bald nur das Alterthümlich-Religiöse zu würdigen bestrebt war. Man fand das Buch im Kanon vor und konnte der Aufgabe sich nicht mehr entziehen, seine Widersprüche mit den geschichtlichen Büchern, die ihm ehedem seine Glaubwürdigkeit streitig machten, auf bestmögliche Weise zu lösen und die sonstigen Verstöße der priesterlichen gegen die pharisäisch-rabbinischen Anschauungen auszugleichen. Man las und schätzte die Chronik nicht als die eigentliche Geschichte, sondern als Erweiterung und Zusatz, als midraschische Anhaltspunkte und Beigaben zu den Königsbüchern als IlaqaXzmoazva tcqv ßaailzcov Iovöa, wie die Alexandriner sie nennen. Es wurde zum festen, oft wiederkehrenden theoretischen Grundsatz: לא ביתנו דברי חיבלים אלא לדדר־טו (Jalkut zu I Chr. 4, 19. Ruth Rabba p. 2 u. Wajikr. Rabb. Ans.). — Die Chronik hat nicht an sich einen kanonischen Werth, daß sie, wie die anderen heiligen Schriften, ניתנו ליקרות וליכתב — öffentlich vorgelesen und zum Privatgebrauch abgeschrieben werden mußte, sondern sie dient nur zur Deutung und zur Ergänzung der anderen geschichtlichen Bücher. *כל דבריך אחד ורם ואנו יודעין לדורעגן. Alle deine Worte, obgleich oft von Widersprüchen und Verschiedenheiten voll, geben doch nur einen Sinn, da wir sie zu deuten Verstehens, lautet das Einleitungswort des Simon ben Pazi zum Chronikvortrage (Megilla 13 a). — In diesem Sinn las und deutete man die Chronik und das ist der Boden, aus dem das Targum, das Erzeugniß dieser exegetischen Thätigkeit, hervorgewachsen ist. ft) Vgl. über die richtige LA. in dieser Stelle diese Ztschr. Bd. III S. 213 und Bd. VII S. 141. <$.]

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