Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Targum zur Chronik. 139 Chronikbuch hatte wirklich für das politische Leben der früheren Zeit einen solchen Werth, daß man es für nothwendig erachtete, dasselbe durch Fortsetzung der Stammbäume zu erweitern und zum Gebrauch für die Gegenwart mit geschichtlichen Notizen oder Glossen zu bereichern, woraus dann ein im Talmud öfter (s. Pesachim babli 62 d und jerus. 5, 3) erwähntes Buch בלדלט ספל היחסין־ oder ספד אגדה טל דבלי היכלים entstand. Diese Documente spielten, wie aus dem 4. Abschnitt des Tract. Kidduschin hervorzugehen scheint, bei Eheverbindungen und wo sonst Nachweise untadelhafter Herkunft von echt israelitischem Blute erforderlich waren, eine große Rolle und noch in später Zeit scheinen die Adeligen durch Zurückführung ihres Stammbaums auf die Kriegsobersten Davids ihr Patrizierthum dargelegt zu haben (S. Kidduschin 7 d כלי טהיה כלרלתב באסטלטיא טל כללך erklärt durch בחילותיו טל בית דויד —). Jemehr jedoch beim Verfall des politischen Lebens auch die politischen Gegensätze und Unterschiede sich abschliffen und ausglichen, verlor durch die allmähliche Vermischung der Geschlechter das Buch seine praktische Bedeutung. Die fernere Handhabung desselben hatte zu gefährlichen Consequenzen geführt (siehe das. 71 a יטבו ובדקו עד טהגיעו לסבכה ופילטו); man mußte die Familienregister, die von der Ueberlieserung sehr genau festgehalten und sortgeführt worden waren, der Vergessenheit anheim geben, wenn auch der Ruhm und das Selbstgefühl der Angesehenen vielfach darunter litt. Die Aristokratie des Geistes, die aus der urwüchsigen Volkskraft hervorgegangen nicht immer auf edle Herkunft pochen konnte, verdrängte die Geburtsaristokratie aus der Macht über das Volk, wenn auch diese noch auf ihre Vorzüge stolz war. Unterdeß hatte jedoch das ״Genealogienbuch" schon zu sehr das Ansehen einer heiligen Schrift erlangt, um aus dem Kanon verdrängt werden zu können. An Stelle der praktischen Heiligkeit trat jetzt die theoretische und anstatt des einfachen Wortsinnes forderte die Deutung ihre Geltung. Diese künstlichen Deutungsversuche, die dem Textesworte einen Sinn abzwangen, der oft nicht im Entferntesten dem beabfichtigten Schriftsinn nahe kam, fanden allerdings bei den gebildeten Patriziern Babhlon's keine erfreuliche Zustimmung, vielmehr scheint der allzuhäufige Spott, dem die Pharisäer begegneten, es ihnen zur Regel gemacht zu haben, ״die Chronik nicht zum Gegenstand des öffentlichen Studiums bei den Nahardäern und Lhddern zu machen" (Pesachim 62 V vgl. Fürst's Kanon S. 120). Doch das