Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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108 IV. Die Säule des Mesa. Die Propheten sind nämlich von patriotischem Schmerze erfüllt über die stolze Tapferkeit Moab's, sie trösten sich mit dem Gedanken, daß es dennoch dem zukünftigen Unheile nicht entrinnen und sein Gott ihm nicht helfen werde (Jes. 15. 16, besonders 16, 6 und 12. Jerem. 48, bes. V. 7. 11. 13 f. 25 f. 29. 35. 41 f.). Diese häufige Erwähnung seines Gottes, auf den es vergeblich sein Vertrauen setze, beweist, daß sie des Ereignisses Wohl eingedenk sind, wie der König durch ein Sohnesopfer sein Reich gerettet und dessen Unabhängigkeit neu begründet hat. Wir werden daher auch Wohl den Zusammenhang in den Worten Micha's C. 6 in dieser Erinnerung finden dürfen. Der Prophet fordert nämlich daselbst V. 5 mit etwas dunklen Worten zum Gedenken dessen auf, was Moab gegen Israel unternommen, er knüpft Alles an die Urgeschichte, an Balak und Bileam, an, fügt aber dann alsbald V. 6—8 die scheinbar gar nicht hierhergehörige Erklärung von der Nichtigkeit der thierischen und Ktnderopfer an. Rufen wir uns jedoch zurück, daß das Sohnesopfer, welches der König von Moab gebracht, im Volksglauben als die Ursache seiner Rettung galt, daß dadurch die Bedeutung solcher Opfer sehr hoch gehalten wurde, so begreifen wir, wie der Prophet diesem Wahne mit aller Entschiedenheit hier entgegenzutreten, das Thörichte des Glaubens an die sühnende Kraft der thierischen Opfer wie namentlich der Darbringung ״des Erstgeborenen" mit allem Nachdrucke hervorzuheben sich gedrungen fühlt. In überraschender Weise ist auch von Seiten Moab's ein Zeugniß aufbewahrt geblieben über seine Kämpfe gegen Israel und die Wahrung seiner Selbstständigkeit ihm gegenüber und sind wir neuerdings in dessen Besitz gelangt. Der Drogman-Cliancelier beim französischen Consulate in Jerusalem, Hr. Elermont-Ganneau hatte nämlich, wie er in einem Briefe an den Grafen Vogüe vom 16. Jan. schreibt, schon seit längerer Zeit erfahren, daß in Dhiban, dem alten Dibon, jenseits des todten Meeres, sich ein großer schwarzer Steinblock befinde mit einer Inschrift. Nicht in der Lage, selbst eine Reise dorthin zu unternehmen, versuchte er mit vieler Mühe einen Abklatsch von der Inschrift zu erhalten, was durch den Zwiespalt und das Mißtrauen der dort hausenden Beduinenstämme, die zuletzt gar das Denkmal zertrümmerten, fast ganz mißlungen wäre, und nur auf fast wunderbare Weise wurden große und kleine Bruchstücke des Abklatsches gerettet, und allmälig kommen auch einzelne Trüm- * mer des Blockes selbst zum Vorschein. Nachdem einmal die Auf-