Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Die Säule des Mesa. 107 Opfers theilten, in hohem Grade verzagt, und was die Götter nicht bewirkten, das erzielte der Glaube an sie. Die Verbündeten zogen ab, und Moab hatte seine volle Selbstständigkeit neu befestigt. Diese Geschichte, für deren Wahrheit nach ihren Grundzügen die ganze ursprüngliche und alterthümliche Darstellung bürgt, ist ungemein belehrend. Man ersieht aus ihr, wie Israel mit wechselndem Erfolge die Suprematie über Moab zu erringen suchte, dieses aber doch schließlich sich seine Unabhängigkeit zu wahren wußte. Von diesem Kampfe Zwischen Israel einer-, Ammon und Moab andererseits, von dem bald nach der einen, bald nach der andern Seite neigenden Siege wissen daher die alten israelitischen Berichterstatter viel zu erzählen, beide engverwandte Stämme gelten ihnen als Erbfeinde von jeher. Mit dem Untergange des Reiches Israel, das mit ihnen die Kämpfe zu führen hatte, gewöhnte man sich in Juda, diese Völkerschaften, ohne etwa ihnen wohlwollend zu sein, in ihrer Selbstständigkeit anzuerkennen, ja man gab sich ver Vorstellung hin, sie seien von Israel nie angegriffen worden, ihr Land sei ihnen vielmehr, als Nachkommen Lot's, als ein von Gott verbürgter unantastbarer Besitz angewiesen (Deuter. 2, 9 ff. 17 ff. 2 Ehr. 20, 10), und wenn der Chronist doch bei David von dieser Vorstellung abweicht und die zur Verherrlichung seines Helden dienenden Siege über Moab und Ammon nicht verschweigt, so schwächt er sie doch sehr ab (1 Chr. 18, 2. 19, 1 ff. 20, 1 sf., verglichen mit 2 Sam. 8, 2. 10, 1 ff. 11, 1. 12, 26 ff.). Allein von dem vereitelten Versuche, welchen der König von Juda, noch dazu der fromme Josaphat, in Verbindung mit dem Könige von Israel unternommen haben sollte, hütet er sich wohl zu reden, er verwandelt vielmehr diesen Kriegszug Josaphat's in einen gegen ihn unmotivirt unternommenen Ueberfall der Moabiter, Ammoniter und Anderer, bei dem .er allerdings in harte Bedrängniß geräth, in seinem Gebete zu Gott aber des Umstandes gedenkt, daß Israel bei seinem Zuge aus Aegypten deren Land nicht berührt habe und Gotte das Gericht gegen diese Undankbaren anheimgiebt. Er wird auch wirklich gerettet durch anders woher gegen sie auflauernde Feinde, bis sie gar unter sich uneinig sich gegenseitig aufreiben (2 Chr. 20). Ja, Moab war, in sich gekräftigt, vor Juda's Angriffen sicher, und nur die Propheten erschauen für die Zukunft seinen Fall.