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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 106

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 106 (sequence 26)
Language
German
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106 IV. Die Säule des Mesa. Weil er Wohl allein zu schwach zu sein fürchtet, und zwar außer dem Könige Juda's noch den König Edom's, der noch Juda unterthänig war, und erst später (vgl. 8, 20 ff.) sich befreite, obgleich man sich Wohl schon damals dessen Bundestreue nicht so recht versichert halten mochte. Auch nun wagen die Verbündeten nicht direct auf Moab loszugehn, sie rücken auf weiten Umwegen heran, um ihren Plan vor Moab zu verbergen und so durch Ueberraschung des Feindes zu erreichen, wovon sie auch bei vereinter Macht besorgen müssen, daß es ihnen gegen den verbündeten Feind nicht gelingen werde. Gerade dieser weite Marsch aber bringt sie in Gefahr, der sie noch glücklich entrinnen. Doch auch in Moab wird der Anschlag der Feinde ruchbar, aber König und Volk sind nicht verzagt, Alles waffnet sich rasch, wartet nicht einmal den Angriff ab, sondern kommt demselben zuvor und macht einen Einfall in das jenseitige Lager. Ob diese rasche That wirklich einem Jrrthum, der falschen Auffassung einer elementaren Erscheinung als eines Zeichens der Uneinigkeit unter den Verbündeten zuzuschreiben ist oder ob sich blos die israelitische Volkssage diese unerwartete und nicht durch den Erfolg gerechtfertigte Kühnheit so erklären zu müssen glaubte, muß dahingestellt bleiben. Genug, dieser Ueberfall gereicht Moab, wie der Bericht lautet, welcher sich ganz an die ermuthigende Vorherverkündigung des Propheten Elisa anschließt, zum Verderben. Das verbündete Heer dringt nun siegreich vor; vergebens versucht der König von Moab mit einer kleinen Schaar einen Ausfall, um zum Könige von Edom durchzubrechen. Offenbar kennt Moab dessen geheimes Verlangen und hofft, ihn, wenn der Ausfall gelingt, auf seine Seite zu bringen, den Bund zu sprengen und so sein Land zu retten. Allein der Ausfall mißlingt. Nun greift der König von Moab zu einem letzten Mittel, er bringt seinen erstgeborenen Sohn, den berechtigten Thronerben, als Ganzopfer dar, er will damit natürlich seinen erzürnten Gott versöhnen, sich wieder dessen Beistand zuwenden und dessen Rache gegen seine Feinde erwirken. Der Erfolg der blutigen That entspricht seinen Wünschen. Denn offenbar wollen die kurzen Worte: ״nun war ein großer Zorn über Israel" nichts Anderes "aussagen als: Israel erfuhr eine schwere Niederlage. Denn sowie die Moabiter durch die grausige That, in dem Glauben damit die Götter für sich und gegen ihre Feinde gewonnen zu haben, neu ermuthigt wurden, so Wurden die Verbündeten, welche den Glauben an die Wirkung dieses

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