Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2421001-2421003--2370-2423302- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mesha 1× ep/1006058
OCR text
IV. Die Säule des Mesa. 105 und daß er die Erhaltung seines Reiches um hohen Preis erkaufen mußte. Ob er mit dem hohen Tribute ein für alle Male alle weiteren Ansprüche getilgt oder ob er diesen Tribut gar jährlich erlegen mußte, wird gleichfalls nicht gesagt; doch scheint aus dem Verlaufe der Geschichte hervorzugehen, daß, so unwahrscheinlich es auch klingt, Letzteres der Fall gewesen, denn, sonst wüßten wir uns nicht zu erklären, womit Mescha' sich gegen Israel aufgelehnt. Als Ahab starb, so wird nämlich im Bericht fortgefahren, lehnte sich der König Moab's Wider den König Israeli auf (vgl. auch 1, 1); daß er etwa gar Einfälle in Israel gemacht, ist nach unserm Berichte nicht Wohl denkbar. In der kurzen, kaum zwei Jahre umfassenden Negierungszeit des Achasiä, des Sohnes und unmittelbaren Nachfolgers Ahab's (I 22, 52 vgl. II 3, 1) erhielt sich offenbar Moab in seiner Unabhängigkeit und blieb von Israel unangefochten. Das änderte sich mit dem Regierungsantritte Joram's, Bruders und Nachfolgers des Achasia. Er rief Josafat, König von Juda, als Bundesgenossen zum Kampfe gegen Moab auf, und auf dem Durchzuge gesellt sich ihnen auch Edom's König bei. Schon auf dem langen Zuge, den sie auf Umwegen machen, droht ihnen Unheil durch Wassermangel, dem jedoch auf wunderbare Weise abgeholfen wird. Als sie nun endlich sich Moab nähern, sammelt dieses seine ganze waffenfähige Mannschaft, die zur Vertheidigung an die Grenze vorrückt. Ein unwillkürlicher Jrrthum verleitet die Moabiter zu dem Glauben, das feindliche Heer sei unter sich uneinig geworden und die einzelnen Schaaren seien selbst in Kampf \:M einander gerathen, sie glauben nun leichte Beute machen zu können und überfallen das israelitische Lager. Allein Israel wirft den Einfall zurück und dringt nun in das Innere Moab's ein, verwüstend und die Städte erobernd, das Heer und den König, welche es immer weiter zurückdrängt, in der Hauptstadt Kir bedrohend und belagernd. Der König von Moab will mit 700 Mann zum Könige von Edom durchbrechen, aber auch dies mißlingt. Da ergreift er ein letztes Mittel in der Noth. ״Er nimmt seinen erstgeborenen Sohn, der nach ihm regieren sollte, und bringt ihn als Ganzopfer dar auf der Mauer; da ward ein großer Zorn über Israel, und sie zogen von ihm ab und kehrten zurück in's Land." Wir ersehn aus diesem Berichte, daß dem Könige von Israel die Macht Moab's als ziemlich beträchtlich erschien. Er schickt sich mi^ großer Vorsicht zum Angriffe an, wirbt Bundesgenossen,