Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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100 n 5. Wiederverheirathung einer Wittwe re. seine belebende Frische entzogen, und einem solchen Verfahren weiter zu huldigen, ist das sicherste Mittel zur Vernichtung des Judenthums. Dieses in seiner Beweglichkeit zu erhalten, mit dem Flusse der Geistesbewegung, mit der Aenderung der Zeitverhältnisse auch die an Früheres, aber Untergegangenes sich anlehnenden Bräuche frisch und.muthig als zu beseitigende Trümmer zu bezeichnen — das ist i>telmd)r die rechte Art, wie die Religion als geistige Lebensmacht sich bewähren kann. 2. Ueberhaupt ist, und das ist die zweite Betrachtung, die hier am Orte ist, die gesetzlich-juristische Normirung solcher Dinge, welche aus dem sittlichen Bewußtsein sich ergeben müssen, vom Uebel. Sie zerstört die freie sittliche That und setzt an. deren Stelle die zwangsweise Unterwerfung unter ein Machtgebot. Aber auch die Folgen sind keine heilsamen; während man auf der einen Seite Schlimmes zu verhüten glaubt, — dem dennoch niemals genügend vorgebeugt werden kann — ruft man auf der andern Seite durch die Einengung andre, vielleicht noch schwerere Uebelstände hervor. Es soll der Rohheit und Hartherzigkeit eines Stiefvaters, der Lieblosigkeit einer Mutter vorgebeugt werden; werden diese Entmenschten dem Kinde nach Ablauf von zwei Jahren nicht noch gefühlloser gegenüberstehen? Werden solche rohe Naturen nicht dem Kinde, das durch sein Dasein ihnen ein Hinderniß in den Weg legt, ihr Verlangen früher zu erfüllen, weit eher feindselig werden? Und in manchen Fällen — und fast ausschließlich sind es solche, in denen die frühere Trauung verlangt wird — ist diese Beschränkung dem des männlichen Schutzes entbehrenden Weibe sehr drückend, geeignet den Besitzstand zu gefährden. Hier schafft man Uebel, für die man verantwörtlich ist, während man Uebeln Vorbeugen zu müssen glaubt, die in den menschlichen Verhältnissen liegen und für die kein Anderer einzustehen hat. In der Freiheit wird der Mensch zur Sittlichkeit erzogen, nicht durch die künstlichen Stützen, die man ihm überall anlegt.