Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 2-3 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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bis zur vertagten Synode. 83 Vordergrund, als wäre nicht der Grundkern aller humanen Bildung gerade eine geläuterte religiöse Erkenntniß; was in Frankreich als allgemeine Phrase, die alle bestimmte Ueberzeugung verwischt, der Volksindividualität gemäß seine scheinbare Berechtigung haben mag, will auch von einer unklaren Richtung in Deutschland ausgenommen und noch auf eigene Gebiete ausgedehnt werden. Die ״israelitische Allianz" will der Gewaltthat in Rumänien, der Noth in Westrußland durch die allseitige Vereinigung der Bemühungen wehren; wir verkennen ihre löblichen Tendenzen nicht, wir theilen sie, soweit die augenblickliche Noth eine rasche nachdrückliche Abhülfe verlangt. Allein dauernd kann den zurückgebliebenen Ländern nur durch eine innere, aus ihnen selbst hervorgehende geistige Erhebung geholfen werden, und wir können ihnen nur als würdiges Vorbild voranzugehen uns bemühen. Wir vermögen nicht einmal künstlich ihre Kraft zu Wecken, noch weniger Bildung zu importiren, am Allerwenigsten aber vermögen wir ihnen etwas zu leisten, wenn wir, Hand in Hand mit einer hartnäckigen Orthodoxie, die Bewahrung aller alten Verfinsterung in den Vordergrund stellen, während nur Licht und Aufklärung die dortige Verdumpfung zu fruchtbarem Leben erwecken kann. In Deutschland ist man nun gar mit dem Versuche aufgetreten, der jüdischen Wissenschaft eine färb- und geprägelose Anstalt zu errichten; man hat von den Organen zur Verwirklichung dieses schattenhaften Gedankens eine jede entschiedene Kraft absichtlich ferngehalten, Wohl aber mit Vorliebe um den Beistand einer geräuschvoll auftretenden Orthodoxie gebuhlt. Die Absichten, welche die Anreger hatten, sind gewiß gut und edel, und der Verfolg wird es ihnen zum Bewußtsein bringen, daß wahre Wissenschaft nur mit derjenigen religiösen Ueberzeugung verträglich ist, welche nicht von vorn herein ihre Voraussetzungen als unverbrüchlich und maßgebend aufstellt. Kehren wir zur Synode selbst zurück, so sind die für sie getroffenen Vorbereitungen jedenfalls nicht unfruchtbar. Die auf der ersten angeregten Fragen werden durch die ihnen gewidmete Bearbeitung immerhin gefördert, und vielleicht eine übereinstimmende Behandlung angebahnt werden. Zu den wichtigsten Fragen gehören die über die Eheverhältnisse. Als Mitglied der die in dieses Gebiet fallenden Vorschläge berathenden Commission hatte auch ich Veranlassung, dieselben von meinem Standpunkte aus zu 6*