Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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Bodek: Antonin nnd Rabbi. 157 Beides, sondern nur das Eine gewährt werden: was er nun zur Erreichung beider Verlangen beginnen solle? Rabbi räth ihm, den Sohn zum Nachfolger einzusetzen und diesem die Ausführung des andern Wunsches zu übertragen. Dieser Bericht hält in keinem Punkt Stich vor einer unbefangenen Kritik. Sollten beide Wünsche in den Augen des Kaisers wirklich gleiche Bedeutung gehabt haben, so daß er zweifelhaft sein konnte über die Auswahl? was interessirte ihn denn so vorzugsweise die Erhebung von Tiberias zur freien Colonie? wirklich blos die Liebe zum dortigen jüdischen Schulhaupte, dem Patriarchen? Credat Judaeus Apella! Warum aber sollte die Gewähr beider Wünsche zusammen Hindernisse finden, und von welcher Seite? Hatte Commodus wirklich eine mächtige Partei für sich, so mochte sie allerdings für ihn gegen den angeblichen Severus intriguiren, aber was kümmerte sie Tiberias? Hr. B. meint (S. 145), Marc Aurel habe dem römischen Senate wieder weitgehende Befugnisse eingeräumt, und dessen Widerspruch habe er befürchtet. Abgesehen davon, daß wir dessen Widerwillen gegen Tiberias uns ebensowenig erklären können, so bleibt diese ganze Annahme eine rein ersonnene, und wenn sie eine geschichtliche Thatsache wäre, so wissen wir, was wir von solchen Körperschaften von Herrschers Gnaden zu halten haben. Ein solcher Senat hat Wohl den traurigen Muth, sich zu compromittiren, um den Gelüsten des Herrschers zuzustimmeu und einen Theil der Verantwortlichkeit zu übernehmen, nimmermehr aber sich gegen dessen Willen aufzulehnen. Also auch hier Nichts als Widersprüche. Der absolute Cäsar ist abhängig von einer namenlosen Behörde und verlangt Rath, wo er zu befehlen hat, um eine Sache, die nicht ihn, wohl aber gerade vielleicht den angeblich Angefragten lebhaft interessirt. So sind die einzelnen Berichte nicht dazu angethan, auf irgend einen Kaiser, geschweige auf Marc Aurel zu passen, und wir brauchen daher kaum einzelnes Spätere — wie die späte Quelle des Thanchuma S. 140 Anm. 3 — mehr als Früheres anzuzweifeln. So wäre denn die Luftspiegelung, in welcher Hr. B. beide Männer und ihr gegenseitiges Verhältniß betrachtet, für uns aufgelöst. Was liegt nun aber denn den rabbinischen Berichten doch zu Grunde? Die Beantwortung dieser Frage könnten wir ruhig den streitenden Parteien überlassen, daß sie sie im Jenseits: Rapoport ־־־ Jost und Sachs, oder im Diesseits: Bodek — Grätz, Frankel, Cassel, wenn Paulus für Selig noch eintreten will, entscheiden. Da ich