Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Recensionen. Nicht ihm gehört der Spruch an, daß ״der Lohn der guten That in dieser selbst, die Strafe der Sünde in ihr selbst liegeeine Lehre, die mit der Stoa übereinstimmt; er lehrt im Gegentheile: sei achtsam auf die geringe wie auf die gewichtige Vorschrift, denn Du kennst nicht die Belohnung der guten Werke (Aboth 2, 1). Wahrhaft kindisch ist es, wenn aus der Anordnung des Ahnen Gamaliel, die kostbaren Leichenbestattungen abzuschaffen, der Unsterblichkeitsglaube abgeleitet werden soll (S. 129). Im Gegentheile lehrt Rabbi, daß die Vergeltung die Wiedervereinten Geist und Körper treffe (S. 140 f), und wenn nach der Thalmudstelle Antonin sich damit befriedigt erklärte, so kann Dies unmöglich der stoische Philosoph Mare Aurel gewesen sein, der die Verantwortlichkeit der Seele nicht abwies und die Fortdauer, resp. Wiederbelebung des Körpers nicht zugestand. Ob Neuerungen und Aussprüche im Rechtsgebiete, soweit sie von Rabbi ausgehn, von dem römischen Rechte beeinflußt, eine Folge des Verkehrs mit Marc Aurel sind, müßte, meint Hr. B. (S. 154 Anm. 1), noch untersucht werden, würde ihn aber hier zu weit führen; allein Dies wäre gerade die vorzügliche Aufgabe gewesen, die alles andere Reden drüberhin überflüssig gemacht hätte. Und Marc Aurel? ist der Nachweis von seinem Verkehre mit einem jüdischen Patriarchen, von dessen auf ihn geübten Einfluß geführt? Nimmermehr, kaum werden die positiv dagegen erhobenen Bedenken beschwichtigt, dafür spricht kein Zeugniß. Ein Mann auf der Höhe des Lebens, hat er über dieses selbst ausführliche Nachricht gegeben, die er vervollständigt haben würde, wenn spätere Ereignisse ihn dazu veranlaßt haben würden. Ein solcher wird aber auch von Andern genügend beobachtet, so daß seine zahlreichen Biographen einen mächtigen auf ihn geübten Einfluß noch dazu so seltsamer Art, nicht verschweigen würden; aber kein Laut dringt darüber zu uns. Was aber über diesen Verkehr in Thalmud und Midraschim berichtet wird, ist in sich so widersprechend, so gar nicht homogen mit Marc Aurel's Stellung und Charakter, daß diese Berichte gegen ihre eigne Wahrheit Zeugniß ablegen. Wir haben bereits oben einen solchen betrachtet, der seiner philosophischen Anschauung widerspricht. Ein anderer verträgt sich nicht mit seiner Stellung. Er soll Rabbi angefragt haben, er habe zwei Wünsche, Tiberias zur steuerfreien Kolonie zu machen und seinen Sohn Severus zum Nachfolger; nun aber werde ihm nicht