Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Recensionen. mich jedoch einmal in die Debatte gemischt habe, so dürfte es von mir verlangt werden, nicht bei dem negativen Resultate stehen zu bleiben, sondern zum positiven Hintergründe vorzudringen. Dies ist, meiner Ansicht nach, aber nur dann möglich, wenn wir uns Charakter und Stellung Rabbi's und seiner Familie vergegenwärtigen. Das Patriarchengeschlecht nahm seit langer Zeit eine diplomatische Stellung ein, um vom Hofe die genügende Unterstützung zu erhalten; erst so gelang es ihm auch, sich das geistliche Ansehn zu erringen und alle gelehrten Nebenbuhler zu verdrängen. Gamaliel II. verdrängte so seinen eignen Lehrer und Vorgänger Jochanan ben Sakkai, seinen eignen Schwager Elieser ben Hyrkan, und endlich demüthigte er alle gelehrten Zeitgenossen aufs Unerträglichste. Für die politischen Interessen trat er natürlich nicht ein. Ein Gleiches that sein Sohn Simon; auch ihm widerstrebten die gelehrteren Meir und Nathan, und auch sie mußten die Zuchtruthe des Patriarchen fühlen. Voll Stolz auf seine Geburt und zugleich voll Gelehrtendünkel folgte ihm sein Sohn Juda. Daß es auch ihm an Widerspruch nicht fehlte, den er herrisch strafte, können die von ihm beeinflußten Quellen nicht verschweigen. Es mußte ihm natürlich sehr daran gelegen sein, den weltlichen Arm für sich und seine Pläne zu gewinnen; tyrannisch nach unten, schmiegsam bis zur Kriecherei nach oben ist ein jeder solcher Conservatismus, und wir brauchen nicht 1600 Jahre zurückzugehn, um Belege dafür aufzufinden. Die Orthodoxie geht gern im Bunde mit der freiwilligen Knechtschaft aus Ohnmacht des Geistes; sie buhlt um die Gunst des Starken und scheut keine Selbsterniedrigung, wenn es gilt ihre Zwecke zu erreichen. Sie, die jeder Berührung mit fremder Bildung feindlich gesinnt ist, huldigt derselben angeblich nach Außen, um sich eine Stütze zu erbetteln. Bedarf es weit hergeholter Beweise? Wer kennt nicht die Loyalitätsadressen der jüdischen Orthodxie auch der neusten Zeit, nicht die Huldigungen an Cardinäle, wenn sie einflußreich, nicht das Vorgeben, in den Schulen die nationale Sprache (ungarisch) vorwiegend zu Pflegen neben der absonderndsten Starrheit? Hier haben wir das Bild Rabbi's, der mit brutalem Stolze seine Umgebung, zumal die Gelehrten behandelte und um einen kargen Sonnenschein von Gunst buhlte. Ein bestochener Hoflakai, ein mit Geschenken überhäufter Unterbeamter, ein durch Schmeichelei gutgestimmter Hochgestellter wird gewonnen, und eine Annäherung nach Oben erzielt. So mag in der That Rabbi eine Audienz beim