Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2421005-2421007--2095-2423269- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 Receusionen. den mit ihrer weiten Verbreitung und deren einflußreiches Oberhaupt; seine Bildung war keine einseitig griechische, keine schroff-stoische, sie nahm neue Elemente in sich auf, die ihn dem Judenthume geneigt machten und ihn somit dessen damaligem hochgebildeten Vertreter sehr näherten, so daß er ihn gern unter die Zahl seiner vertrauten Freunde mehr und mehr aufnahm. Mare Aurel gedenkt zwar in dem ersten seiner Bücher ״an sich selbst" aller derer, die ihm im Leben näher gestanden, dankbar und treu mit Namen, und den vertrauten jüdischen Freund erwähnt er nicht. Allein dieses Buch ist verfaßt — gegen Rap's Annahme —, bevor der Kaiser persönlich mit Rabbi zusammentras, welches Zusammentreffen erst in die letzten Jahre des Marc Aurel fällt (S. 133 f). Diese Behauptung scheint der Vers, später zu vergessen, wenn er S. 146 Anm. 2 sagt, daß der in seinen Aufzeichnungen schwer beklagte frühverstorbene Sohn, den er sehr geliebt zu haben scheine, Wohl identisch sein dürfe mit dem im Thalmud erwähnten Liebling Severus, den er, im Widerspruche gegen eine mächtige Hofpartei, zu seinem Nachfolger bestimmen wollte und worüber er Rabbi angefragt haben soll. Jedoch lassen wir diese kleine Vergeßlichkeit, obgleich sie uns das ganze Wesen dieser luftigen Combinationen aufdeckt, und bleiben wir bei dem Wesentlichen, bei dem Charakter der beiden Männer, um die es sich handelt. ״In Rabbi's Hause, lehrt Herr B., blühte von Vater und Großvater her die Beschäftigung mit griechischer Sprache und Literatur; durch die auf Reisen gesammelten Erlebnisse und durch eigene Studien nahm nun der junge Jehuda Eindrücke und Anschauungen in sich auf, die ganz entgegengesetzt waren denen, die der größte Theil seiner Volksgenossen hatte! Er lernte die griechische Culturwelt kennen mit ihren Licht- und Schattenseiten. Gewiß wirkte sie anmuthend und überwältigend auf seinen Geist, doch war ihm andererseits das jüdische Wesen angeboren. Als er nun heranwuchs, stießen sich diese beiden Welten in ihm. Sie arbeiteten in seinem Geiste, erst sich anfeindend, dann friedlich auf einander wirkend. Nachdem er sie in ihrer Gegensätzlichkeit schärfer hatte scheiden lernen, erkannte er bald auch mit klarem Blicke ihre Berührungspunkte, ihre Zusammengehörigkeit. Er versöhnte sie in sich und ist dadurch zu einer in ihrer Art einzigen und ersten Persönlichkeit in der jüdischen Geschichte, zum Vorbild für sein Volk und zum Einleiter und Führer einer neuen Epoche geworden."