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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 2 (1869) · p. Seite 153

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 153 (sequence 73)
Language
German
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Bodek: Antonin und Rabbi. 153 mit den neuen Mitteln jugendlicher Kraft und neuzeitlicher erweiteter Bildung in Rapoport's Sinne zu lösen versucht. Er leistet Dies mit einer genügenden Gelehrsamkeit, mit phantasiereichem Schwünge, in lebendiger Darstellung, aber leider auch mit derselben ermündenden Breite und demselben Aufgebote künstlichen Scharfsinnes wie sein Großvater, die leisesten Andeutungen zu kühnen Behauptungen, die von der ganzen Geschichte widerlegt werden, anschwellend. Es handelt sich, wie bemerkt, um zwei Fragen: Lebte Rabbi 190, nicht 220? Und war er auch Zeitgenosse Marc Aurel's, kann dieser Kaiser, seinem ganzen uns wohlbekannten Charakter nach, der Freund des jüdischen Patriarchen gewesen sein? Soviel ich sehe, bringt der jugendliche Vers, in seiner Schrift: Marcus Aurelius Antoninus als Zeitgenosse und Freund des Rabbi Jehuda Ha-Nasi. Ein Beitrag zur Culturgeschichte (auch als erstes Heft eines größeren Werkes: Römische Kaiser nach jüdischen Quellen. Leipzig 1868. IX u. 158 Seiten) wenig neue Momente als lediglich Pathos und Combinationen herbei. Daß Rabbi 190, nicht 220 geblüht, wird auf die Autorität des Großvaters angenommen. Als neuer Beleg soll vielleicht auf S. 61 gelten, daß den unmit- Lelbaren Nachfolgern Rabbi's im Lehramte 9 Jahre, dem folgenden Oberhaupte Jochanan aber 80 Jahre beigelegt werden, dieser aber sei 280 gestorben, und so müßte Rabbi nach Abzug der 89 Jahre 191 gestorben sein. Nun aber wird doch sicher Hr. Bodek eingestehn, daß diese lange Amtsführung Jochanan's sagenhaft ist, daß gut und gern von ihr mindestens 30 Jahre abzuziehen sind, die dann zu der Zeit Rabbi's hinzuzufügen sind. Der scheinbare Beweis wird demnach zum Gegenbeweise. — Jedoch die chronologische Aenderung zugegeben, wie steht es um das Verhältniß des Patriarchen Juda zu dem Kaiser Marc Aurel, des engen Juden zum philosophischen, durch und durch griechisch-römischen und antijüdischen Kaiser? Das ist, behauptet Herr B., falsche Auffassung. Rabbi war kein enger Jude; er war vielmehr nach Innen blos streng national, nach Außen mit unbefangen politischem Blicke guter Römer, er war jüdischer Gesetzlehrer, als solcher streng conservativ und dennoch von umfassender griechischer Bildung. Seinerseits war Marc-Aurel nicht engherzig römisch, sondern den Provinzialen nach ihrer Eigenthümlichkeit zugeneigt, Judäa als mitteninne liegende Provinz ihm von großer Wichtigkeit, nicht minder die Ju-

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