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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 2 (1869) · p. Seite 151

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 151 (sequence 71)
Language
German
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Bodek: Antonln und Rabbi. 151 hängig, und man interessirt sich nur etwa noch für die welthistorischen Anfänge des Judenthums und die eigentümliche Entwickelung bis zum Abschlüsse des Thalmuds, wie sie auch bei der Entstehung des ChristenLhums und des Islam mitgewirkt und noch in dem Leben der Gegenwart herrschend ist. In jener kindlichen Zeit nun, die sich an Geistesspielen erfreute, trat auch mit besonderer Lebhaftigkeit die Anton in frage auf. Im Thalmud, dann auch in späteren Midraschim wird mehrfach von einer sehr engen Beziehung zwischen Rabbi und einem Kaiser Antonin gesprochen, von einer innigen Freundschaft, welche in lebhaftem persönlichen und schriftlichen Verkehre sich geäußert und den Kaiser gar zum heimlichen Uebertritte zum Judenthum bewogen haben sollte. Das sagenhafte Gepräge, welches alle diese Berichte an sich tragen, mußte doch irgend einen Hintergrund haben, einen historischen Kern, von dem diese Uebertreibungen wuchernd aufschossen. Während die kritiklose Zeit sich bei den Berichten beruhigte und an ihnen sich erbaute, hatte Jost, der erste jüdische Geschichtsschreiber, welcher das Gebiet umfassend und nüchtern behandelte, natürlich das Ganze als Sage betrachtet, dahin gestellt sein lassend, welch ein geschichtlicher Antrieb zu dieser Sagenbildung veranlaßte, die Person des Antoninus aber nach den geltenden Zeitbestimmungen über Rabbi, d. h. Juda ben Simon den Patriarchen, den Redactor der Mischnah, wonach er gegen 220 blühte, auf Caracalla festgestellt. Diese Traulichkeit zwischen dem wollüstigen Tyrannen und dem jüdischen Patriarchen, mochte nach der Befreiung von der sagenhaften Verherrlichung der geschichtliche Ueberrest noch so dürftig sein, hatte allerdings nicht viel Wahrscheinlichkeit, doch ließ man es bei der Sage bewenden. Allein diese kühle Behandlung sagte bald der angeregteren Zeit nicht mehr zu. Veranlaßt von einer neuen Veröffentlichung über die Genealogie des Patriarchengeschlechts in dem Seder Thannaim wa — Amoraim wendte Rapoport seinen blendenden Scharfsinn den chronologischen Bestimmungen über die Zeit Rabbis und des ihm gleichzeitigen Antonin zu. Gegen alle unbezweifelten alten Berichte wollte Rapoport nun die Lebenszeit Rabbis um dreißig Jahre zurückrücken, ihn um 190 blühen und wirken lassen, und so ward aus Antonin — Marc Aurel. Das war doch von ganz anderer Bedeutung, wenn der jüdische Patriarch mit dem hochgebildeten Kaiser

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