Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Recensionen. Manne zu thun, dessen nähere Bekanntschaft wahrhaftes Interesse gewährt. 5. Nov. 3. Rabbi und Antonin. Die Zeiten haben ihre verschiedene Färbung nach den Interessen, welche sie bewegen, und diese wechseln merkwürdig schnell, so daß man bald auf früher mit lebhaftem Eifer angeregte und vielverhandelte Fragen dann sehr kühl und theilnahmlos zurückblickt. So war in Deutschland eine Zeit, in welcher Theater und Literatur den Lebensgehalt der Nation auszumachen schien, eine jede neue Erscheinung auf diesem Gebiete alle auf Bildung Anspruch Machenden tief ergriff und zu hitzigen Parteibildungen veranlaßte. Allmälig verdrängten ernstere wirkliche Lebensfragen der Nation, die der äußern Politik und der innern Freiheit, diese Alleinherrschaft jener Bewegungen, die zwar geistigen Inhalts waren, sich jedoch oft in kleinlicher und kindischer Form äußerten. Das Gesammtleben ist realer geworden, das ideelle Leben ist an ihm noch nicht genügend erstarkt, und dennoch wird es ein gesunderes und umfassenderes werden, wenn die Gährungen zu einem nach Außen geachteten und innerlich frei sich entwickelnden Volksleben sich geklärt haben werden. So hatte nun auch in den dreißiger und vierziger Jahren an dem lebhaften Kampfe um die bürgerliche Gleichstellung der Juden, an dem erwachten Selbstbewußtsein gegenüber den boshaften Verkleinerungen und Schmähungen sich die Theilnahme für die geistigen Erzeugnisse der Juden in der Vergangenheit, für diese speeifische Aeußerung des jüdischen Geistes, die man längst mit Mißachtung behandelt hatte, warm belebt. Bibliographische, biographische, literarische Fragen traten auf den Schauplatz, heißer Kampf entzündete sich um Combinationen und scharfsinnige Vermuthungen, Rede und Gegenrede wechselte mit Raschheit und mit der Erregtheit, welche Zeugniß ablegte, daß der ganze Mensch von diesen Fragen ergriffen war. Mit dem Zurücktreten der Emancipationsfrage als einer principiell überall, praktisch fast überall gelösten, ist auch der warme Eifer für jene kleinen literarischen Erscheinungen, die doch blos überwundenen mittelalterlichen Stand- Punkten angehörten, gleichfalls geschwunden, die geistige Berechtigung der Gegenwart ist von jenen fruchtlosen, wenn auch der Lebensfrische nicht entbehrenden Geistesthätigkeit des Mittelalters nicht ab-