Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Schwarz: Hiob. 147 gestaltet sich das exegetische Interesse in ein rein philosophisches um, hinter welches alle andern Anforderungen zurücktreten und nur kümmerlich gepflegt werden. In der Nachfolge, wie sie von den Spätern überhaupt gegen Maimonides geübt wurde, offenbart sich, bei aller treuen Anhanglichkeit, bei dem unverbrüchlichen Halten an seinen Worten, dennoch die Verschiedenheit der Geister. Friedlichere und ängstlichere Gemüther suchen seine Worte einzuschränken, die scharfen Spitzen einzubiegen, die vorsichtigen Andeutungen noch mehr zu umwickeln und sie als ganz unschädlich darzustellen; seine hypothetischen Concessionen gelten ihnen als ernstgemeinte, die sie mit Begierde ergreifen. Allein es gab auch viele Jünger, die sich ohne alle Scheu in die Absichten des Meisters versenkten und kühner als dieser die leisen Andeutungen zu bestimmten Behauptungen ausprägten, die nothwendigen Consequenzen mit Entschiedenheit zogen, die von dem Meister der Halbheit zugelassenen Abschwächungen als solche blosstellten und verwarfen. Diese Scheidung in der Schule können wir in allen Gebieten verfolgen, sie tritt ebenso in der Exegese hervor. Zu den kühnen rücksichtslosen Geistern gehört nun eben unser Serachiah; er pocht gewaltig auf seine philosophische Durchbildung, und es ist ihm eine Lust nicht blos die Gegner des Maimonides als einsichtslos darzustellen, sondern auch den Ehrenkranz, welchen frühere, also natürlich nicht von Maim. abhängige Erklärer sich errungen, zu zerpflücken. Er spricht seine Geringschätzung im Vor- Worte und zu 36, 27 unumwunden aus: ״Die Erklärer, deren Commentare ich zu Hiob gesehen, sind Aben Esra, David Kimchi und Moses ben Nachman von den Angesehenen Gerona's, des Nachbarortes von Barzelona, meiner Heimath. Da ich nun aber gesehen, daß die früheren Erklärer sich unfähig zur Erklärung erwiesen und Ungenügendes geliefert, indem A. E. zu kurz gefaßt, die Anderen, die ausführlicher sind, den Zweck dieses Buches nicht begriffen und in seine tieferen Tendenzen einzugehn durchaus nicht verstanden, ja, wie ich mehrfach nachgewiesen, selbst den einfachen Wortsinn zu erfassen ihnen höchst selten gelungen, deshalb unternahm ich es die Lücke auszufüllen, dabei ohne Scheu gegen jeden ungenügenden Erklärer den Tadel auszusprechen u. s. w." Er läßt es wirklich daran nicht fehlen, vorzugsweise gegen Nachmanides, dessen mystische, der Philosophie feindliche Richtung, dessen stolze