Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Reeenstonen. nechmad, und dennoch früher völliges Schweigen davon! Gehn wir nun zu Serachiah über! Er ist der unbekannteste; von dem Hiob - Comm. war bisher noch kaum die Rede und seine ganze literarische Thätigkeit ist erst durch Kirchheim u. Steinscheider eben in diesem Hefte des O. n. näher beleuchtet worden. Und wenn auch kein mittelalterlicher Bibeleommeniar unsere Erkenntniß bereichern kann, so ist doch der Mann und dessen Verfahren interessant genug, um bei ihm etwas länger zu verweilen. Der Einfluß des Maimonides auf die spätere Literatur ist ein wahrhaft überwältigender, fast in keinem Gebiete kann sich irgend ein Werk demselben entziehen, ein jedes trägt mehr oder weniger sein Gepräge. Wenn die Halachisten theils logische Anordnung aus ihm lernten, in seine die Form vergeistigende, zu sittlichen Anschauungen erhebende Auffassung gedrängt wurden, sich viel mit mancher von ihm selbstständig getroffenen Entscheidung beschäftigten, so waren noch mehr die philosophirenden Geister in seinen Kreis gebannt, hielten sich in voller Abhängigkeit an die von ihm zum Systeme abgerundete Ausgleichung Zwischen der Bibel und dem arabisch scholastisch gestalteten Aristotelismus. Seine Symbolistrungen der biblischen Worte, Erzählungen und Vorschriften, wie der Moreh sie bald ausführlich bald in leisen Andeutungen vortrug, wurden zu normativen Annahmen, welche nur weiter ausgearbeitet, wenig modifieirt wurden. Selbst die gegnerisch Gesinnten, die buchstabengläubigen Thalmudisten, ferner die zwar auch der Symbolisirung huldigenden, aber der Analyse feindlichen, vielmehr in schwärmerischem Fluge einer grübelnd phantastischen Vertiefung sich hingebenden Mystiker beschäftigen sich mit ihm nicht blos unaufhörlich polemisch, sondern sie nehmen unbewußt doch gar Manches von ihm an. So übt er denn, wie natürlich, auch einen mächtigen Einfluß auf die Exegese. Schon vor ihm gab es freilich philosophirende Bibelerklärer, welche Widerstreitendes in Einklang zu bringen suchten mit ihren philosophischen Voraussetzungen; allein sie gehn dabei nicht so sichtbar von einem fertigen Systeme aus, nicht mit einer feststehenden Methode zu Werke. Dabei tritt die philosophisch sublimirende, conciliatorische Tendenz nicht überwiegend oder gar ausschließlich hervor. Sie sind Männer der Wissenschaft, welche alle Mittel einer gesunden Exegese mit Geschick handhaben und nur vereinzelt ihrem philosophischen Drange Genüge leisten. Mit der Herrschaft jedoch, welche der Moreh gewonnen,