Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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136 Recenstoneu. Kecensionen. 1. Der Thalmud über den Kanon. Die Thatsachen, welche der Thalmud und der ältere Midrasch bald mit entschiedener Absicht bald gelegentlich über die den alten Schriften zu erweisende Anerkennung oder über deren Abweisung mittheilt, sind im Ganzen bekannt genug. Die zwei ersten Theile der H. Sch., Thorah und Propheten, stehen zu seiner Zeit und soweit zurück seine Erinnerung reicht, unerschütterlich fest, von einer kritischen Betrachtungsweise derselben ist er weit entfernt, wenn auch aggadisch ihm hier und da Bedenken aufstoßen, die ihm zur Anbringung künstlicher Deutungen dienen, auch freisinnige Aeußerungen entschlüpfen, welche in naiver Bewußtlosigkeit auf das Gesammturtheil keinen Einfluß üben. Wenn später am Ende der zweiten Tempelperiode bei sorgfältrgem Studium die Bedenken gegen Ezechiel theils wegen seiner Enthüllung der Geheimnisse des göttlichen Haushaltes (Wagens), theils wegen seiner abweichenden gesetzlichen Angaben sich vermehren, so war darum dennoch der angebliche Entschluß ihn zu ״vergraben," sicher nicht ernstlich gemeint; man suchte entweder eine erträgliche Ausgleichung zu Stande zu bringen oder man begnügte sich mit der resignirten Erklärung, Elias (der alle Unebenheiten ausgleichen werde) werde einst die auffallende Angabe in Ezechiel deuten und sie in Einklang zu bringen wissen. Anders war es mit dem dritten Theile der heiligen Schriften. Sie als später hinzugetretene, nachdem der Kern bereits als ein Abgeschlossenes galt, sehr verschiedenartigen Inhalts, nicht gesetzlich belehrend, nicht die alte Nationalgeschichte neu — höchstens in Wiederholung — darstellend, nicht von der Weihe des ächten Prophetenthums strahlend, bildeten allerdings ein nationales, also ein heiliges Gut, aber ihr vollgütiger Werth war damit noch nicht ausgesprochen. Zwar den Psalmen ward allgemeine Anerkennung, sie galten als zum größten Theile von David herrührend und sie bildeten ja den Kern der gottesdienstlichen Verehrung in den Synagogen. Allein anders stand es mit den andern Schriften. War schon die Haltung' aller nicht von der höheren Begeisterung getragen, welche die alten Schriften mit höherer Weihe umgab, so