Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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134 III. Apokryphen zweiter Ordnung. vornehmsten Männer, dem anerkannten Haupte der Pharisäer, ausgehende Anordnung mochte unserm Christ gewordenen Saddueäer imponiren und er schrieb sie lieber bereits dem altbewährten Stammvater Juda zu. drückten Zeit nach der Tempelzerstörung konnte gewiß der Luxus nicht so überhand nehmen, Gamaliel's II. Ansehen war ferner keineswegs so nnbestritten, daß sein Beispiel so unbedingte allgemeine Nachfolge gefunden hätte (vgl. diese Zeitschr. Bd. V S. 271 ff. Bd. VI S. 132 ff'.); auch war der spätere Gam. gar nicht so einfachen Sinnes, ging vielmehr recht geflissentlich darauf aus, sein Haus und seine, wie gesagt, bestrittene Geltung durch aristokratischen Prunk zu erhöhen (vgl. diese Zeitschr. Bd- VI S. 113). Daraus, wie aus andern Umstanden, ergiebt sich auch, daß die Relation, wie wir sie in der jerus. Gemara (und Semachoth) lesen, die richtige und ursprüngliche ist, während der Bericht, wie ihn die bab. Gemara widergiebt, hier wie so oft ein aus Unkenntniß entstellter ist. In jerus. Gemara (und Semachoth) lesen wir, es seien drei Becher hinzugefügt worden: אחדי ללאש חהכסת ואחד לחזן* חכנסת ואחד לל״ג, hingegen berichtet Babli von vier hinzngefügten, und zwar 'אחד הכגד חזיי חעיד ואח הנגד פרכסי חעיל ואח' הנגד בית חמגןדש ואח׳ .כנגד לבן גמליאל. Die Bestimmung des einen Bechers, welcher hier mehr genannt wird, als für den Tempel, will, wie Raschi richtig erklärt angeben, er sei bei Gelegenheit einer Privattrauer eine Erinnerung an die allgemeine Trauer der Zerstörung des Tempels, zugleich eine Aufrichtung zum Tröste in der Zuverficht auf seine Wiederherstellung! Dieser Relation nach wäre wohl anzunehmen, daß alle diese hinzugefügten Becher erst nach der Zerstörung eingerichtet worden, und demgemäß wäre auch der Erinnernngsbecher an Gamaliel, der doch wohl kurz nach seinem Tode eingeführt worden, — wie die jerus. Gemara ausdrücklich sagt: ״ ולאחל שמת לב(4 גמליאל auch erst nach der Zerstörung üblich geworden, Gamaliel selbst also müßte erst um diese Zeit gestorben sein, demnach die Rede sein von Gamaliel II. Allein, wie bemerkt, dieser Bericht ist entstellt und richtiger der aus jerus. Gemara (Semachoth), als der älteren palästinischen Quelle. Sie kennt den einen Becher für den Tempel gar nicht, weil eben zu dessen Erwähnung,-solange er bestand, bei einem Trauerfalle gar keine Veranlassung war. Aber auch für die zwei andern, welche neben dem zum Andenken an Gamaliel neu eingesetzt wurden, giebt sie die Bestimmung nach alterthümlichem Gepräge an, welches in dem späteren babylonischen Berichte ganz unkenntlich wird. Die בגבת, auf deren Haupt (לאמו) und deren Aufseher, Verwalter (חזן) je ein Becher geleert werden sollte, ist die fromme, zunächst priesterliche, Ge-- nvsfenschaft, welche bei allen eintretenden Fällen, gerade wie später der חבל עיל, die nöthigen religiösen Functionen versah (vgl. Urschrift S. 124 s). In diesem Sinne kommt der לאש זלבנהת vor als unter den ״Großen der Zeit" (גדולי חדול),aber über den ״Verwaltern der Almosenspenden" (גבאי ח&דקיח)