Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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128 III. Apokryphen zweiter Ordnung. ignorirt, ja ausdrücklich in den Hintergrund gerückt, die Heiligkeit des Salzes in Abrede gestellt, beim Lhierischen Opferest von einer damit verbundenen Salzdarbringung oder Bestreuung mit Salz nur selten die Rede. Daher übergeht die Mischnah (Peßachim 5, 10) wie die Thoßestha (das. c. 4) auch beim Peßachlamme eine Erwähnung des Salzens gänzlich; nur Maimonides (a. a. O. Korban Peßach 1, 14) ergänzt es wieder in seiner selbstständigen Entscheidungsweise. Sein Commentator Joseph Karo (Kheßef Mischneh das.) weiß für diese Ergänzung keinen thalmudischen Beleg beizubringen, er weiß vielmehr nur — auf den Bibelvers 3 Mos. 2, 13 zurückzugreifen. Sollte vielleicht gerade in dem Streite über die Dignität des Peßachopfers der Schlüssel zu dieser seltsamen Verdrängung des Salzens gefunden werden können? Sicher nämlich bestreuten die Priester die auf den Altar darzubringenden Theile sämmtlicher Opfer sowohl der Mehlgaben als auch der thierischen, mit Salz, und es galt dies als vorzügliche Weihe des ganzen Opfers. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß die Priester gerade bei dem Peßachlamme diese Salzbestreuung der Altartheile unterlassen haben. Dieses Peßachopfer war ja kein priesterliches, es war ein Festmahlopfer, und wir haben schon früher erkannt (Anhang zu ״Sadducäer und Pharisäer" S. 42 ff, Sonderabdruck S. 36 ff), daß gerade darüber zwischen der Priesterpartei und den nach möglichster religiöser Gleichberechtigung des ganzen Volkes ringenden Pharisäern ein heftiger Streit entbrannte, ob dem Peßachopfer die gleiche Würde beizulegen sei wie den Tempelopfern, namentlich ob dasselbe auch am Sabbathe, wenn dieser der Rüsttag des Peßach sei, dargebracht werden dürfe, also die sonstigen Sabbathvorschriften ihm wie den ständigen Tempelopfern zu Weichen haben. Darauf drangen die Pharisäer, während die Priester ihm diese hohe Geltung aberkennen wollten. Es ist nun ganz natürlich, daß die Priester in dem was sie allein zu verrichten hatten, wo eine Controle, zumal bei dem massenhaften Andrange der Opfernden schwierig, ein Zwang gegen sie bei Verrichtungen, die sie an, andern Israeliten unbetretbaren Orten zu verrichten hatten, fast unmöglich war, ihrer Ansicht unbeirrt von dem Widerspruche der Pharisäer folgten, d. h. die Salzbestreuung unterließen. Was konnten diese nun dagegen thun? Sie erklärten eben diese Verrichtung bei allen Opfern für Nebensache. — Auch im ent-