Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Testament der zwölf Patriarchen. 119 geschieden hatten, waren ja nun wesentlich Fragen der Zukunft geworden, die man ihnen von der andern Seite nunmehr kaum bestritt, jedenfalls vertagte, und wollten sie nicht alle Geltung einbüßen, so war es gerathen, mit der Gesammtheit zu gehen und sich doch noch einen Rest von Ansehen zu erhalten. Sie blieben allerdings möglichst Vertreter der Priesterberechtigung, Anhänger der alten Halachah gegenüber dem entschiedeneren Ausbau eines fort׳ schreitenden Pharisäismus, und so verlieren sie sich allmälig in voller Vereinigung mit den herrschenden gelehrten Schulen, wenn auch noch eine längere Zeit innere Kämpfe fortgrollten. — So diejenigen, welche treu beim alten Judenthum beharrten. Allein es konnte nicht fehlen, daß in Vielen mit dem Tempel auch die alte Glaubensfestigkeit zusammenbrach, mit dem Wanken aller Verhältnisse und Grundlagen auch das zähe Halten an der bisherigen darauf begründeten Religionsform erschüttert wurde. Gerade die Priesterpartei, die sadducäische Aristokratie mußte dem Abfalle, einer neuen Gestalt auch der religiösen Dinge sich zuneigen. Mit dem Tempel, dem Opferdienste, der priesterlichen Verwaltung, dem hohenpriesterlichen Pompe war für sie ja auch alle Heiligkeit, alle fromme Uebung gefallen, volle Glaubensverwüstung eingetreten. Mußten sie ihr Ohr nicht willig der Verkündung von dem bereits erfolgten Eintritte einer neuen Zeit und eines neuen Gesetzes leihen? In ihren Reihen gerade fand das junge Christenthum Anhänger, die auf seine Verheißungen lauschten und diese mit ihren bisherigen Annahmen in Einklang brachten. Das levitische Hohen- Priesterthum, so deuteten sie nun, ist gefallen, ein ewiger Hohepriester aus dem Stamme Juda ist dafür erstanden; das tägliche Opfer zur Sühne wird nicht mehr dargebracht, ein einmaliges Weltopfer zur Sühne aler Zeiten hatJesus an sich selbst vollzogen. Das war die natürliche Umwälzung in dem sadducäischen Gedankenprocesse. Während pharisäische Judenchristen die Beibehaltung der jüdischen Satzungen neben der Annahme des Christenthums nachdrücklich verlangten, legten die aus den Reihen der Sadducäer hervorgegangen nunmehr, da die priesterlichen Gebote, welche für sie den Kernpunkt des ganzen religiösen Lebens gebildet hatten, unmöglich geworden, auf die Aufrechterhaltung des sonstigen jüdischen Gesetzes kein Gewicht mehr, sie gaben sie leichthin auf, um so nachdrücklicher hoben sie die Würde Jesu als Hohen-