Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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118 III. Apokryphen zweiter Ordnung. dienstes. Dennoch war nun gerade die geeignete Zeit, den pharisäischen Lehren die entschiedenste Geltung zu verschaffen, nun wo der Priesterdienst ruhte, auch möglichst alle Priesterbevorzugung zurückzudrängen, die Gleichberechtigung aller Volksklassen, die Ver- Kindlichkeit der religiösen Vorschriften und Satzungen für Alle zu betonen, die pharisäische Halachah in vollster Konsequenz siegreich zu entwickeln und so die Gesetzesgelehrsamkeit zur einzigen berechtigten Aristokratie zu erheben. Während sich so der Pharisäismus unter den Treugebliebenen gerade in der Auflösung der Verhältnisse entschiedener befestigte, mußte die Priesterpartei mit ihrem Anhänge, die sadducäische Aristokratie in einen vollständigen Zersetzungsproceß gerathen. Für sie war nicht blos die ganze Staats- und Religionsverfassung zusammengestürzt, sondern sie hatten nun auch ihre persönliche bevorzugte Stellung eingebüßt. Die starren unter ihnen gaben damit dennoch ihre Ansprüche nicht auf, und sie suchten von ihrer Son- Verstellung, wenn auch nicht Opferdienst, Tempelverwaltung, Priester- und Beamtenthum sie mehr auszeichnete, vom alten Glanze zu retten, was unter den geänderten Umständen möglich schien, an ihren sadducäischen Ueberzeugungen möglichst festzuhalten. Zwar den Kampf gegen die Lehre von der Auferstehung gaben auch sie — gerade wie die Samaritaner — sicher sehr bald auf. Nunmehr genügten auch sie sich nicht mehr an der Gegenwart, die auch ihrerHerrlichkeit ein Ende gemacht; auch ihre Blicke waren der Zukunft und der in ihr zu erhoffenden Restauration zugewendet, und somit war der Glaube an die Auferstehung für sie gleichfalls ein notwendiger. Allein sonst suchten sie ihre Priesterheiligkeit mit Allem was daran hing aufrechtzuerhalten, klammerten sie sich an die sadducäische Halachah weiter an, setzten sie ihren Kampf gegen den Pharisäismus fort. Sie mußten unter den ihnen ungünstigen Verhältnissen immer mehr an Boden verlieren, fast bis zum gänzlichen Dahinschwinden in Vergessenheit gerathen, bis die Ausschweifungen des pharisäischen Thalmudismus und ein neuer weltgeschichtlicher Factor, die Herrschaft der Araber mit dem Islam, ihre Trümmer mit neuem Lebenssafte durchströmte, sie ihre Auferstehung in den Karäern feierten und in dieser Form, wenn auch ohne nachhaltigen Einfluß, ihr Dasein bis zum heutigen Tage fristeten. — Die minder starren Sadducäer gaben sich einer schon durch den Römerkampf angebahnten Fusion williger hin. Die Fragen, welche sie von den Pharisäern