Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Testament der zwölf Patriarchen. 117 unter den geänderten Umständen den Glauben aufrecht zu erhalten und ihren Ueberzeugungen Ausdruck zu geben. Die glühenden Eiferer, welche voll Siegessicherheit den Kampf gegen die Römer bis zur Vertheidigung des letzten Fußes ihres geheiligten Bodens geführt, die Zeloten und ihr Anhang, ließen sich von den erdrückenden Niederlagen noch immer nicht gänzlich entmuthigen. Noch weilten sie in Judäa, noch hatten sie das Land als Bewohner inne, und die Hoffnung zur gelegenen Zeit die Römer zu vertreiben und die alten Zustände durch die Gewalt der Waffen wieder herzustellen, war ihnen nicht geschwunden. Sie bereiteten den Widerstand insgeheim vor, der dann in den Kämpfen des Ben-Khofiba, im Hadrianischen Kriege in Hellen Flammen ausbrach, bis daß neue Niederlagen endlich jeden thätigen Widerstand brachen. Die gemäßigten Pharisäer, welche schon früher an dem Eifer, mit dem der Vernichtungskampf heraufbeschworen, und an der Hartnäckigkeit, mit der er geführt worden, kein Gefallen gefunden, theilten nicht die Lust sich in einen neuen nothwendig noch mehr aufreibenden Kampf zu stürzen; sie nährten die Hoffnung auf eine wunderbare Wieder- Herstellung der nationalen und religiösen Selbstständigkeit im Busen, ohne ein thätiges Eingreifen dafür zweckmäßig zu finden und ohne bestimmen zu wollen, wann diese Hoffnung sich verwirklichen werde. Sie harrten der wunderbaren Hülfe Gottes entgegen, dem Erscheinen des wahren Messias, der Auferstehung und dem Eintritte der mit ihr beginnenden neuen Welt. Bei diesem vollen Vertrauen auf eine Zukunft, welche die Vergangenheit vollkommen wieder ins Leben führen werde, mußten sie jedoch ihre thätige Sorgfalt der Gestaltung der Gegenwart, dieser Uebergangszeit, als welche sie dieselbe betrachteten, zuwenden. Es mußten Einrichtungen getroffen tverden, den Glauben und die herkömmlichen Satzungen zu erhalten auch ohne ein herrschendes Staatsleben, ohne einigenden Mittel- Punkt, ohne Sanhedrin, Hohenpriester, Tempel und Opfer. Die Priesteranmaßung konnte sich jetzt nicht mehr geltend machen, die Priester hatten auch im letzten Verzweistungskampfe muthig und treu zu ihrer Seite gestanden, und so milderte sich auch die Abneigung gegen das Priesterthum, dem man doch, zu keiner Zeit seine biblische Berechtigung hatte absprechen können, man ließ die Herbe gegen die Priester fahren, man verkümmerte ihnen ihre glänzenden Aussichten für die Restaurationszeit der Zukunft nicht, man erflehte mit ihnen die einstige Wiederherstellung des Tempels und des Opfer-