Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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112 tll. Apokryphen zweiter Ordnung. sie berichtet äußerst selten über die stillen Keime, welche meist denen selbst verborgen geblieben, die sie pflegten. Können wir nun Aeußerungen einer solchen Uebergangszeit aufgreifen, so müssen sie natürlich unsere Aufmerksamkeit in hohem Grade fesseln; wir wollen an ihnen den Proceß des Werdens im schöpferischen Momente ergreifen. Der Geschichtforscher wird jedoch selten das Glück haben, daß ihm klar und bestimmt redende Zeugnisse aus solchen Zeiten entgegentreten; die abgerissenen, schwer verständlichen, aus ihnen herübertönenden Klänge werden meistens mehr reizen als erhellen. Es liegt in der Natur solcher Gährungsperioden, daß sie nicht die Fähigkeit haben, über sich selbst genügende Kunde zu geben, daß das wovon sie getrieben werden, noch zu sehr verborgen in ihnen ruht, als daß es seinen klaren Ausdruck finden könnte; es zeigt sich in ihren Productionen ein Unfertiges, Verschwommenes, aus dem eben der Forscher errathend Alles machen kann, wofür er nicht in ihnen selbst das Regulativ hat, sondern dasselbe wieder aus früheren und späteren in sich geschlossenen Darstellungen suchen muß. Daher leiten diese unfertigen Producte auch so sehr leicht irre, indem sie einem überwuchernden Scharfsinne, einer geschäftigen Phantasie Handhaben bieten in leisen Andeutungen, die allerdings möglicher Weise Keimpunkte sind, aber auch eben sowohl verschwimmende Bläschen sein können; das vorausgebildete Urtheil des Beobachters trägt bei diesen mikroskopischen Untersuchungen der Embryonen die Ergänzung hinein aus dem in seinem Geiste gestalteten fertigen Gebilde. Das Mangelhafte, welches nothwendig diesen Producten anhaftet, hat sie daher auch in späteren Zeiten, wo man keine historische Rechenschaft verlangte, sondern volle Uebereinstimmung mit eigenen, zu einem gewissen Abschlüsse gelangten Ansichten, so ziemlich um ihren Credit gebracht; ihre unfertige Gestalt läßt sie als aus Jrrthum, wenn nicht gar aus böswilliger Verkehrtheit entstanden erscheinen. Dieses Urtheil war freilich ungerecht, aber es bestand und hatte die Folge, daß solche Schriften jedenfalls wenig beachtet, meist sogar absichtlich verdrängt wurden; sie sind entweder vernichtet worden oder auch in das Dunkel der Vergessenheit versunken. Das Gesagte gilt ganz besonders von der Zeit, in welcher das Judenthum aus dem biblischen Abschlüsse in neue Gestaltungen sich umwandelte, auf der einen Seite zum Thalmudismus hin, auf der andern zum Christenthume. Die Jahrhunderte, welche sich eng