Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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HO II. Kritische Behandlung der biblischen Schriften, aufzufinden geglaubt, und gestützt auf diese Kunstform, als sei ihre Beobachtung ein unverbrüchliches Gesetz, sich Umstellungen und Correcturen erlauben zu dürfen geglaubt. Weit nüchterner urtheilt der Verf. (Literatur S. 118): ״Wie die einzelnen Versglieder, so können auch״ mehrere Verse zu einander in ein künstliches Verhältniß gebracht werden und Strophen bilden. Diese Form zeigt sich zwar nicht ganz selten, aber doch lange nicht so häufig, wie sie manche neuere Ausleger finden wollen, welche den in einem Gedicht nothwendig durch den Inhalt bedingten größeren Zusammenhang einzelner Versgruppen stets als Zeichen der Strophenbildüng ansehen, ohne zu bedenken, daß bei letzterer ein gewisses gegenseitiges Entsprechen des rhythmischen Verhältnisses nöthig ist. Absätze müssen sich in jedem irgend längeren Liede finden, nicht aber Strophen." Kurz, die beiden Schriften sind reich an äußerst treffenden Bemerkungen, die von dem eindringenden Tiefblicke des Verfassers zeugen. Umsomehr legt es wiederum den sprechendsten Beweis für die Thatsache ab, daß unsere biblische Kritik noch an ihren Ansängen steht, nicht etwa bereits dem Ziele nahe ist, wenn wir auch hier von Voraussetzungen ausgegangen und zu Resultaten gelangen sehen, welche ich mit Entschiedenheit als irrig betrachten muß. Es ist in hohem Grade auffallend, wenn der israelitisch - efraimitische Charakter des ältesten Bestandtheiles unserer geschichtlichen Bücher verkannt und derselbe einem ״Priester in Jerusalem" zugeschrieben wird (Literatur S. 19. 27. 32. Untersuchungen S. 137 ff und sonst). Damit ist die ganze geschichtliche Entwickelung ungekehrt, der ganze Zweck des Deuteronomium verkannt, der Mangel an Beachtung, in welchem die vier ersten Bücher des Pentateuchs eine längere Zeit fast gänzlich ignorirt worden, bleibt unerklärt, die Zusätze, welche zur Lösung des Zwiespaltes der alten israelitischen Literatur und dem judäischen Deuteronomium gemacht worden, nicht genügend nach der inneren Nöthigung erkannt. Trotzdem übersieht auch die ältere israelitische Literatur keineswegs die Bedeutung Juda's, wenn sie auch Joseph in den Vordergrund stellt, gerade wie später die judäische Richtung Alles umfärbt und dennoch Efraim seine Bedeutung zugesteht und die Wiedervereinigung mit ihm ersehnt. Nur bei solcher Verkennung der Sachlage ist es möglich davon zu sprechen, der Redaetor sei älter als der Deuteronomiker (Literatur S. 31), die Jdentificirung von diesem mit dem Bear-