Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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108 II. Kritische Behandlung der biblischen Schriften, zielt; die Abweichungen sind wenig erheblich, wenn auch der Eine Manches für gesichert halten mag, was der Vfr. einem kühnen Zweifel unterwirft, der Andere auch noch hie und da Einzelnes von dem Unangetasteten erneuter Prüfung unterwerfen möchte. Allein anders verhält es sich mit dem Wege, welchen der Vrfr. in der Kritik einschlägt, mit der Angabe der Bestandtheile, in welche Vrf. die überkommenen zu einem Ganzen verbundnen Werke zu zerlegen anleitet. Hierüber sind die Acten noch lange nicht geschlossen, das Verfahren muß sich vielmehr, wie wir einleitend angedeutet, noch viel mehr vertiefen, von der Oberfläche des gegebenen Wortes in das Innere der in ihm sich offenbarenden Gesinnung und Antriebe versenken, und viele gangbare Annahmen der Kritik werden einer neuen Umgestaltung sich zu unterwerfen haben. Es kann natürlich hier meine Absicht nicht sein, gelegentlich einer populär gehaltenen Schrift, welche die Resultate ohne die nothwendige eingehende Begründung 'zusammenstellt, meine zum Theile abweichenden Meinungen gegenüber zu stellen, die, weil aus neuen Gesichtspunkten hervorgehend und den gangbaren Ergebnissen nicht zustimmend, einer umfassenden Begründung bedürfen. Zwar hat auch Nöldeke zur Begründung dessen, was er in seiner Uebersicht der ״Literatur^ stillschweigend als Resultat ausgenommen und vorausgesetzt, was aber doch keineswegs bisher herrschende Ansicht gewesen, sondern das eigenste Ergebniß selbstständiger Forschungen des Vrfrs. ist, mit Recht sich veranlaßt gesehen, ein besonderes fast gleichzeitig erschienenes Büchlein zu veröffentlichen, das unter dem Titel: Untersuchungen zur Kritik des alten Testaments, vier streng wissenschaftliche Abhandlungen umfaßt: 1. Die s. g. .Grundschrift des Pentateuchs; 2. Der Landungspunkt Noah's; 3. Die Ungeschichtlichkeit der Erzählung Gen. XIV; 4. Die Chronologie der Richterzeit, (Leipzig 1869 VIII und 198 Seiten), von denen die erste die wichtigste ist und daher auch den weitesten Raum einnimmt, nämlich die ersten 144 Seiten. Gegen diese Arbeit erheben sich mir ernste Bedenken, welche jedoch darzulegen eine umfassendere Arbeit erforderte, als dieser Blick aus den gegenwärtigen Stand der kritischen Annahmen erlauben würde. Freuen wir uns vielmehr des kühnen Freimuths, der auch die kleine Schrift durchweht, der frischen Lebendigkeit, welche auch die ernste gelehrte Forschung nicht trocken werden läßt. N. marktet nicht mit der Kritik, so daß er ihr Concessionen abzudringen suchte, vielmehr überträgt er ihr überall