Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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namentlich ihres historischen Theiles. 107 nach beliebiger Auswahl, und dann erst sind diese zu einem Ganzen verbunden und die Lücken ergänzt worden. Dadurch ist eine gewisse Ungleichmäßigkeit in der Ausführlichkeit der Behandlung entstanden; die zuerst nach freier Auswahl bearbeiteten Stoffe nehmen größeren Raum ein und erfreuen sich eines liebevollen Eingehens, während das Hinzugekommene knapper, geschlossener, auch in mehr lehrhafter Form auftritt. Jedoch das stört uns die Freude nicht an dem Buche. Es unterscheidet sich darin wesentlich von dem Hausrath'schen, daß während dieses die Ergebnisse rein nach den neueren Forschungen darlegt, ohne den Leser in den Stand zu setzen, daß er bei einer Vergleichung mit dem Mbeltexte die Gründe der Abweichung von dessen einfachem Wortlaute sich erschließe, das Nöldeke'sche Buch vielmehr den Leser mit dem gegenwärtigen Stande der Kritik bekannt macht und ohne von ihm zu verlangen, daß er alle mühsamen Untersuchungen mit anstelle, ihm in leichter Form das Resultat darreicht, zu welchem die vereinten bisherigen Bemühungen gelangt sind, ihm nicht verschweigend, wie schlüpferig der Boden ist, so daß manche Forscher darauf ausgeglitten, bescheidne Vorsicht hier hohe Pflicht ist und noch mancher unwegsame Pfad nicht geebnet ist, manches Dunkel noch zu erhellen bleibt. Kernig und gefestigt an der Selbstständigkeit der Forschung, an der Sicherheit, mit der sich der Verfasser auf seinem Boden bewegt, ist der Ton der Darstellung zugleich voll fröhlichen Muthes, der mit jugendlicher Frische, mit der Siegesgewißheit einer guten Ueberzeugung den Leser gesinnungsvoll anregt, indem er ihn belehrt. So hat Nöldeke's Buch die hohe Bedeutung, daß es nicht blos den wirklichen literarischen und geschichtlichen Inhalt der heiligen Schrift nach den besten Ergebnissen bewährter Forschung zum Gemeingute macht, sondern daß es auch dem Gebildeten ein Urtheil zugänglich macht über die herrschende Anschauung der alten Zeit, deren schriftstellerische Antriebe, ihr Verfahren bei der Ausführung, die Geschichte und Schicksale der biblischen Schriften, bis sie zu der Form gelangt sind, in welcher sie uns vorliegen, und über die langen Anstrengungen, welche aufzuwenden waren, bevor aus der entstellten Form und engen Betrachtungsweise, in der sie zuerst zu weiterer Verbreitung gelangt waren, ihre gereinigte möglichst ursprüngliche Gestalt und die Einsicht in ihren tieferen bleibenden Gehalt gewonnen wurde. Ueber den letztern ist das Einverständniß unter den wahrhaft freisinnigen Forschern im Ganzen ziemlich er-